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Zweiter Teil. Die Entwicklung der Elektrotechnik im Spiegel der Vereinssitzungen

Full text: 50 Jahre Elektrotechnischer Verein / Görges, Hans (Public Domain)

des Amtes zu umständlich wurden. Abhilfe schaffte die Vielfachschaltung, 
worüber gleichfalls im Münchschen Vortrag berichtet wurde. Sie ermöglichte 
auch die Einstellung von Telephonistinnen, da die Vielfachschränke leichter zu 
bedienen waren als die Klappenschränke älterer Bauart. 
Eine weitere Verbesserung bestand darin, daß man vom ursprünglichen 
Batterieweckbetrieb zum Anruf mittels Induktors und Wechselstromweckers 
übergegegangen war, wodurch Batterien erspart wurden. Große Schwierig- 
keiten machte aber noch das Schlußzeichen. Es sollte vom Teilnehmer ge- 
geben werden; indessen ergab eine Statistik, wie Wabner,ETZ 1895, S. 216 
„Fernsprecheinrichtungen in großen Städten‘, mitteilte, daß es in 51% der 
Fälle vergessen wurde. Man versuchte es mit besonderen Schlußprüfungen, 
auch tauchte bereits der Vorschlag auf, die Verbindung nach Schluß des Ge- 
spräches automatisch zu trennen (Geissler, ETZ 1892, S. 348 „Über 
einen Multiplexschrank für Fernsprechvermittlungsämter mit selbsttätiger Aus- 
lösung‘). 
Mit der Ausdehnung der Netze trat eine Frage in den Vordergrund, die das 
eigentliche Thema des Wabnerschen Vortrages bildete: Welches ist die wirt- 
schaftliche Größe des einzelnen Amtes? Unter Berücksichtigung aller Um- 
stände kam er zu dem Resultat, daß man bei Vielfachumschaltern nicht über 
sooo bis 6000 Teilnehmeranschlüsse gehen solle; bei größeren Netzen müsse 
man mehrere Vielfachumschalter nehmen. Diese Zahlen gründen sich natürlich 
auf die damaligen Abmessungen der Umschalter sowie auf die damals erreich- 
bare Kapazität der Amtskabel. Der Vortrag ist noch insofern bemerkenswert, 
als in ihm zum ersten Male Angaben über die Tagesverkehrskurve und den 
Verkehr in der Hauptverkehrsstunde gemacht wurden. 
Über die Sprechstellenapparate ist in diesem Zeitraum nichts wesentliches be- 
richtet worden; nicht einmal über die seit 1887 allgemein erfolgte Einführung 
des Mikrophons als Geber wird etwas mitgeteilt. Doch wurden Bau und Eigen- 
schaften des Mikrophons sowie seine Ankopplung an die Sprechleitung durch 
Übertrager bereits 1881 (s. 0.) von Frischen erwähnt. Einen Münzapparat 
hat Gould, ETZ 1891, S. 251 in dem Vortrag „Über selbstkassierende Fern- 
sprechapparate‘ vorgeführt. 
Es versteht sich, daß die beschriebenen Fortschritte nicht möglich gewesen 
wären ohne eingehende theoretische Durchdringung des Gebietes und ohne zahl- 
reiche Messungen. Auch diese Fragen sind im Verein erörtert worden, und 
zwar in zwei aufeinanderfolgenden Sitzungen des Jahres 1887. Am 26. April 
gab Frölich eine „Optische Darstellung der Vorgänge im Telephon mit 
Experimenten“, ETZ 1887, S. 210. Die Schwingungen des Telephons wur- 
den von ihm nach zwei verschiedenen Methoden nachgewiesen: einmal durch 
direkte Beleuchtung der Membrane bzw. eines aufgesetzten Spiegels, sodann 
durch Verbindung des Telephons mit der Druckkammer einer schallempfind- 
„00 
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