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Zweiter Teil. Die Entwicklung der Elektrotechnik im Spiegel der Vereinssitzungen

Full text: 50 Jahre Elektrotechnischer Verein / Görges, Hans (Public Domain)

durch besondere Untersuchungsbrunnen in Kanäle eingezogen werden sollten, 
um den Straßenverkehr nicht immer neu zu behindern. Einen ausführlichen 
Überblick über den Stand der deutschen Bautechnik, einschließlich der Muffen, 
der Endverschlüsse und des Bauzeugs, gab dann Lan drath, der schon 1890 
erklären konnte (ETZ 1891, S. 45 „Über die unterirdischen Anlagen für die 
Zwecke der Stadt-Fernsprech-Einrichtung in Berlin‘), daß das unterirdische 
Fernsprechnetz Berlins, abgesehen natürlich von der Einziehung neuer Kabel, 
zum Abschluß gekommen sei. Um nicht für jeden neuen Teilnehmer die 
Straßen wieder aufreißen zu müssen, hatte man ein „gemischtes System“ ge- 
wählt: die Kabel führten von den Vermittlungsstellen zu den gleichmäßig im 
Stadtgebiet verteilten Kabelaufführungspunkten; ‚diese waren durch ober- 
irdische Leitungen mit den Sprechstellen verbunden. Die Kabel wurden in 
gußeisernen Röhren oder gemauerten Kanälen verlegt und waren, um das Ein- 
ziehen zu erleichtern, mit Fassondrähten statt mit Runddrähten bewehrt. 
Auch die elektrischen Eigenschaften der Leitungen mußten mit wachsender 
Ausdehnung der Netze verbessert werden. Hierüber unterrichtet der bereits 
erwähnte Vortrag von Münch, ETZ 1894, S. 172 „Über die Entwick- 
lung des Fernsprechwesens in der Reichstelegraphen-Verwaltung‘“. Wir er- 
fahren, daß schon seit 1887 die ursprünglich aus Stahldraht bestehenden Teil- 
nehmerleitungen durch Kupferbronzedraht ersetzt worden waren; auch wurden 
Versuche mit Doppelmetalldraht (Aluminiumbronzekern mit Siliziumbronze- 
mantel) angestellt. Die Luftkabel hatte man, da sie nicht genügend wetter- 
fest waren, wieder aufgegeben. Bei den unterirdischen Kabeln hatte 
man begonnen, die getränkte Juteisolation durch solche aus Papier zu ersetzen. 
Die Kapazität betrug dann nur etwa 0,12 uF je km Einzelleitung, womit die 
Reichweite bedeutend erhöht wurde. Neben den Anschlußleitungen wurden 
auch die Fernleitungen bedeutend verbessert. Diese waren anfangs durch be- 
nachbarte Telegraphenleitungen sehr gestört worden; daher ging man dazu 
über, wenigstens die längeren Fernleitungen als Doppelleitungen‘ auszuführen. 
Verliefen mehrere Doppelleitungen am gleichen Gestänge, so trat aber noch 
ein störendes Mitsprechen auf, dem man durch Einführung der Kreuzun- 
gen begegnete. Es wurde beobachtet, daß Eisenleitungen mehr unter dem Mit- 
sprechen zu leiden hatten als Bronzeleitungen, was auf die größere Induktivität 
jener zurückgeführt wurde. Die Teilnehmerleitungen wurden aber weiterhin 
als Einzeladern ausgeführt; zur Verbindung zwischen Fern- und Anschlußleitung 
verwandte man Übertrager. Der Münchsche Übertrager ist wegen seiner ge- 
ringen Dämpfung lange Jahre bei der deutschen Telegraphenverwaltung in Ge- 
brauch gewesen. 
Ebensowenig wie die Leitungen konnten die Vermittlungsstellen in der an- 
fänglichen Ausführung dem wachsenden Verkehr genügen. Die Klappen- 
schränke, bei denen jeder Teilnehmer auf eine Klappe gelegt war, reichten bald 
nicht mehr aus, da bei größerer Zahl der Schränke die Verbindungen innerhalb 
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