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Zweiter Teil. Die Entwicklung der Elektrotechnik im Spiegel der Vereinssitzungen

Full text: 50 Jahre Elektrotechnischer Verein / Görges, Hans (Public Domain)

Trägerfrequenzen natürlich nicht arbeiten; wohl aber war es möglich, hörbare 
Trägerströme zu verwenden. Das war also der Grundgedanke des alten Mer- 
cadierschen Systems, nur daß er sich jetzt mit den Mitteln der Röhrentechnik 
in viel wirksamerer Weise in die Wirklichkeit umsetzen ließ. Über diese „Ton- 
frequenz-Wechselstrom-Telegraphie‘“ sprach Lüschen, ETZ 1923, S. ı. Er 
zeigte ein System mit sechs Frequenzen, die durch Empfangs-Siebketten vonein- 
ander getrennt wurden; Sende-Siebketten waren nicht vorhanden. Lüschen wies 
auch auf die Möglichkeit hin, mit Hilfe der Trägerfreauenzen Staffelschaltun- 
gen auszuführen. - 
Die Weiterentwicklung dieses Zweiges der Telegraphie schilderte der Vortrag 
von Clausing, ETZ 1926, S. 500 „Stand der Mehrfach-Tonfrequenz-Tele- 
graphie‘“. Er konnte berichten, daß sie sich gut in den Betrieb eingeführt habe. 
Sender und Empfänger wurden in Form betriebsfertiger Gestelle vorgeführt. Um 
die Wechselstromzeichen zu „erweichen‘“, d. h. ihren Einsatz weniger hart zu 
machen, kann man Sende-Siebketten benutzen und erzielt damit die Möglich- 
keit, zwölf statt sechs Frequenzen auf einer Leitung zu betreiben; auch Duplex- 
Betrieb ist möglich. Der Vortrag enthielt genaue Angaben über die Durch- 
lässigkeitskurven der Siebketten, sowie über den Zusammenhang zwischen Sieb- 
breite und Telegraphiergeschwindigkeit. 
Während bei der Tonfrequenztelegraphie eine Fernsprechader für mehrere 
telegraphische Verbindungen in der Weise ausgenutzt wird, daß Stromart und 
-stärke möglichst denen der Telephonie gleichen, ist es das Merkmal der Unter- 
lagerungs-Telegraphie, daß auf einer Fernsprechader noch ein Telegraphier- 
weg geschaffen wird, ohne daß der Sprechverkehr dadurch beeinträchtigt wird. 
Diese Art des Telegraphierens ist in den letzten Jahren sehr wichtig geworden. 
Eine zusammenfassende Darstellung im Elektrotechnischen Verein hat sie noch 
nicht gefunden, doch ist gelegentlich (z. B. durch Stahl am 7. Januar 1927) 
von ihr die Rede gewesen. 
20. Fernsprechwesen.”) 
Als der Elektrotechnische Verein gegründet wurde, blickte der Fernsprecher 
erst auf eine Entwicklung von wenigen Jahren zurück, über die ein Vortrag 
von Elsasser, ETZ 1880, S. 368, „Über die Einrichtung von Fernsprech- 
Vermittelungsämtern in größeren Städten“, Auskunft gibt. Er berichtete, daß 
die Deutsche Reichspost seit 1877 Fernsprechapparate für den Telegraphen- 
betrieb eingeführt habe, um auch kleine Postagenturen in das Telegraphennetz 
einbeziehen zu können, ohne die Beamten im Geben und Empfangen nach dem 
*) Bearbeitet von Prof. Dr. Salin ger nachUnterlagen von Ministerialdirektor Dr. Craemer, 
Direktor Dr. Ebeling , Staatssekretär Dr. Feyerabend, Generaldirektor Dr. A. Franke, 
Direktor Hahnemann, Prof. Küpfmüller, Ministerialdirektor Dr. Kruckow 
und Dr. Reiß. 
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