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II. Teil: Der Zirkus I. Kapitel: Das Haus

Full text: Zirkus Reinhardt / Baumgarten, Franz Ferdinand (Public Domain)

IL TEIL: DER ZIRKUS 
Il. Kapitel: Das Haus 
Die Angestellten und die Halb-Angestellten entdecken Hellas 
in dem Großen Schauspielhaus... Die ganz Dummen jubeln „Hellas 
in Berlin“. 
Denkt man der Theater in Graecia und Magna Graecia, so 
grüßt ein Heidenlenz aus frühen Reisetagen. Berge, die hinter 
Silberschleiern atmend glimmen, selige Buchten blauen Meeres, 
Wolken, die vor weitem Himmel flocken, ‚und überall Glanz, und 
überall Sonne, Afrikas Sonne, die selbst den Marmor bräunt zu 
Gold. 
Aus solchem Traum erwacht man zu dem Hellas in Berlin! 
Dort, wo die Häßlichkeit Berlins in das Gespenstische wächst, in 
einer engen Straße am Schiffbauerdamm schreit eine mit unge- 
brochenem kalten Rot gestrichene Feuermauer. Das ist das 
Große Schauspielhaus! Die häßlichste und anspruchsvollste 
Fassade Berlins, ein Riesenschuppen aus einem Angsttraum. 
Meister des Baues ist Hans Poelzig, der Bruno Schmitz der 
Republik. 
Die Gänge des Theaters sind Katakomben, das Foyer ein 
Aquarium, in dem von Licht und Anstrich zu Wasserleichen ge- 
bleichte Menschen - wandeln. Der Zuschauerraum mit Hänge- 
kuppel und Kunst-Stalaktiten ist eine stilgerechte Grotte für einen 
Eispalast mit Kunsteis und mit nigger-songs. Die Stalaktiten- 
Kuppel ist altbekannt aus den Schaufenstern vieler Konditoreien. 
Der große Raum wirkt klein, weil man nur den Mittelaus- 
schnitt unter der Kuppel überschaut, und das andere hinter 
Stützen und Bogen verdämmert. In den scheußlichen Plüsch- 
logen des alten Zirkus, in dem Lichterglanz der Kuppel sitzen 
die Kriegsgewinnler, die Revolutionsjobber und die mit einer 
Kriegs- und einer Revolutions-Seele begnadeten Doppel-Gewinn- 
ler. Die „Volksgenossen‘“ verdämmern hinter Stalaktiten- 
Schleiern und Eisenstäben. Es ist eben ein Volkstheater. 
Raum und Aufstieg sind durch die Logenreihen, dann durch 
mehrere ansteigende Ringe und dann, ganz vernichtend, durch die 
AK
	        
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