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I. Teil: Das Theater III. Kapitel: Das Theater

Full text: Zirkus Reinhardt / Baumgarten, Franz Ferdinand (Public Domain)

Die vertauschbare Kulisse, die den Raum gliedert,. kann 
jede Szene schaubar machen. Die Simultanbühne hatte eine An- 
zahl von Schauplatz-Schemen, zwischen denen sich das Spiel be- 
wegte. Die Renaissancebühne kennt keine Verwandlung. Sie 
zeigt nur einen Schauplatz. Die im Verhältnis zum Drama 
primitive Schichtenbühne der Elisabeth-Zeit in England konnte, 
da sie keine Kulissen trug, dem Wechsel der konkreten Szenen 
Shakespeares nicht folgen. Sie gibt nur ein Schema von den 
verschiedenen Schauplätzen des Innen- und des Außenraumes, der 
ebenen Erde und des höheren Stockwerkes. Die Kulissenbühne 
des Barock kann mit jeder Verwandlung der Szenen Schritt 
halten und jeden Schauplatz konkret darstellen. Ihre Kulissen 
können so wechseln wie die Atmosphäre der Shakespeare-Szenen. 
Sie konnte schon im 17. Jahrhundert den konventionell stilisierten, 
aber konkreten Schauplatz des klassizistischen Barockdramas 
schaubar machen. _ 
Die Kulissenbühne ist das Sichtbarwerden der konkreten 
Raumvorstellung des neuen europäischen Dramas. Die Bühne 
Athens ist der Hintergrund der Schicksalstragödie Die 
Kulissenbühne ist der Raum des Charakterdramas. Die attische 
Bühne ist der Hintergrund, von dem sich der Relief-Mensch und 
seine Schicksalsgeste abheben; die des Barock der Raum, in 
dem die Handlung den Menschen sich vertiefen läßt. 
Die Kulissenbühne ist die erste Bühne, die den Szenen- 
wechsel während des Spiels gestattet. Der Szenenwechsel er- 
fordert einen neuen Bühnenabschluß. Der Triumphbogen vor der 
Bühne, das Proszenium der Renaissancebühne, genügte nicht mehr, 
um den Szenenwechsel zu decken. Das erste Kulissentheater, das 
teatro Farnese, hat auch als erstes einen Vorhang, der den 
Szenenwechsel deckt, also den ersten richtigen Vorhang. Das 
überflüssige und verflachte Proszenium verfiel. Es lebt weiter 
im Namen des Raumspaltes, den es zurückließ. Jetzt begrenzte 
die Bühne ein Vorhangrahmen und der Vorhang. Den architek- 
tonischen Abschluß der Renaissancebühne ersetzte der kolori- 
stische Vorhang. Das Bühnenbild mit der einheitlichen 
Raum - Illusion des Oelgemäldes wurde jetzt umfaßt von 
einem Oelbild-Rahmen. Die Bühne wurde der Guckkasten, in den 
man sozusagen Staffelei-Bilder einschob. Tiefe, Szenenwechsel 
und Vorhang sind nur Profilierungen der konkreten Rauman- 
schauung, zuletzt also Erscheinungsformen des neuen Welt- 
gefühls. 
Mit der Vertiefung der Bühne hatte die Ausgestaltung des 
Theaterraumes Schritt gehalten. 
Serlios Renaissancetheater breitete sich noch antikisch im 
Halbkreis aus. Das erste Kulissentheater aber hat auch schon die 
Form des modernen Theaters. Aleotti, der Erfinder der Kulisse, 
am
	        
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