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Hurra, 4 Grad unter Null!

Full text: Meine lieben Zeitgenossen / Simmel, Paul (Public Domain)

Hurra, 4 Grad unter Null! 
und hinreißende Grazie. Er soll 
schon Preise bekommen haben. 
Mit tiefernstem, weit überlegenem 
Gesichtsausdruck macht er seine 
Sprünge, die Gymnasiasten sind 
bei den Schülerinnen abgemeldet. 
„Er“ ist der Glanzpunkt der Eis— 
bahn. „Er“ trainiert schon den 
dritten Tag hier, soll Schwede sein. 
Die kleinen Anfänger, vom 
ewigen Hinpurzeln schon ganz 
weiß, klappen nach Schluß der 
Vorführung die Mäulchen zu. 
Sie sind die großen Sachver— 
ständigen. 
„Mensch, wenn ick so 'ne 
Schlittschuhe hätte, alles ver— 
chromt, könnte ick det ooch!“ — 
„Puste dir man nich so uff, det 
is'n Schwede, det janze Leben 
mang die Gletscher!“ — „Hach, 
Mensch, von wegen Schwede, da 
kichern ja die Mücken, det is doch 
der Drojist aus die Drojerie von 
Klempert, weeste, wo die bewech— 
liche Husten-Bonbon-Reklame 
drinnesteht, . .. denk doch mal 
nach ... du Dofer . ..“ — 
„Ach, der ist det? Der trainiert 
uff Bohnerwachs, weeste?“ — Der 
wollte mal Orje aus'n Laden 
hauen, der Affe kann jar nischt ...!“ 
Abendbrotzeit. Die steifgefro⸗ 
renen Finger bekommen die Knöpfe 
des Mantels nicht auf. Winter⸗ 
Ozon⸗Luft steckt noch in den Klei⸗ 
dern, die Zehenspitzen und Finger 
tauen langsam im warmen Zimmer 
auf und kribbeln niederträchtig. 
Anstatt der üblichen vier Stullen 
werden heute sieben verdrückt! Lie⸗ 
ber Gott, schenke uns doch wieder 
regelmäßig einen richtigen Winter! 
⸗ 
„. .. die violetten Schlüpfer vom 
vorigen Jahr hat sie auch noch ..“
	        
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