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Full text: Karussel Berlin / Stratz, Rudolf (Public Domain)

gefischt — oder wenigstens dichtebei. Das arme Ding muß 
aus ihrer elenden Umgebung 'raus! Die muß aufs Land! 
Wir haben ja Platz genug auf unseren Gütern in Hinter— 
pommern ... Bei den Gärtnersleuten in Groß—-Kietz, 
unter Aufsicht vom Pfarrer ... Abgemacht? Nun brauche 
ich nur noch Papa's Plazet! Er ist doch noch nicht auf die 
Bank?“ 
„Es sind noch zwei Herren bei ihm! Architekten! Du 
hast doch von dem schrecklichen Einbruch vorvorige Nacht 
gehört?“ 
„Ich bin sogar gestern abend an unserer mißhandelten 
Filiale vorbeigefahren!“ Der Sohn lachte ... „Und habe 
Papa drinnen sittlich entrüstet über die Schlechtigkeit der 
Welt zwischen den Häschern stehen sehen! Aha — da hört 
man ja nebenan seine Befehlsstimme!“ 
„Nein — meine Herren: die Geschichte vorgestern nacht 
geht mir doch über den Spaß!“ Der Geheimrat Dr. jur. 
Dr, h. c. Albert Wiebeking lehnte klein, graubärtig, 
energiegeladen, in seinem Arbeitseckraum an der Kante des 
riesigen Schreibtisches. „Ich habe mich kurz entschlossen. 
Ich lasse nicht nur die Stahlkammern in meinen sämtlichen 
Filialen modernisieren, sondern auch das Panzergewölbe 
im Hauptgeschäft selber!“ 
„Ein Einbruch in eine Hauptbank, Herr Geheimrat, war 
in Berlin noch nicht da!l“ sagte der eine der Architekten, 
ein kleiner, zarter Herr. 
„... und so ein Gegner wie dieser Ale oder Nachtdoktor 
oder wie er sich auf seinen hinterlassenen Schmieralien an 
den Wänden nennt, war auch noch nicht dal“ sagte der 
Geheimrat. „Es würden ihm in der Hauptbank unberechen— 
bare Werte in die Hände fallen!“ 
Er dämpfte, aus seinem grauen Vollbart heraus, unter 
der kurzen, willenskräftigen Nase, die Stimme. 
„... und dies Nachtgespenst weiß genau, wo diese Werte 
sind! Denn es gehört offenbar zu uns! Zu unsern 
Kreisen. Wir verraten ihm unsere Geheimnisse, ohne es zu 
wissen, wahrscheinlich alle Tage! Vielleicht befindet er sich 
heute abend unter meinen Gästen. Angenehm, nicht?“ 
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