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Full text: Karussel Berlin / Stratz, Rudolf (Public Domain)

so 'nem herrlichen Wagen fahren! Darf ich nicht ein Ende 
lang neben Ihnen sitzen? Die Tante ist jetzt im Geschäft!“ 
„Na — wenn ich Sie am Tiergarten absetzen kann ...“ 
Der Chauffeur Werner nickte. „Da halt' ich Günther— 
straße 3, ehe ich den Wagen draußen im Grunewald ab— 
liefere? Also in Gottes Namen 'rin in die Schatulle!“ 
Der himbeerfarbene Koloß wand sich brüllend durch Alt— 
Berlin, die Linden entlang, im Wagengewimmel dem 
Brandenburger Tor zu. Der junge Mann am Steuer lachte. 
„Warum sitzen Sie denn so blaß und stumm da, Fräulein 
Hilde? Es possiert nischt!“ 
Lang — schnurgerade die Charlottenburger Chaussee. 
Ein lustiger Seitenblick aus sachlich aufmerksamen blauen 
Augen. 
„Ich bin doch 'n abgebrühter Benzinonkel! Sie ver— 
derben sich ja mit der Angstmeierei das ganze Pläsier!“ 
„Ich bin doch nicht für's Pläsier mitgefahren!“ 
„... sondern?“ Er beschrieb einen Bogen um die 
Elektrische. 
„Nehmen Sie sich in acht!“ 
„Vor Ihnen?“ Er nahm dem ratternden Riesen Gas. 
„Hilde: mein Herz ist rein!“ 
„Ach — machen Sie keine Witzel! ... Das ist ja so 
ernst ... Das ist ja graulich ..“ 
„Was denn?“ 
Ein Schweigen nebenan. Nun näherten sie sich schon 
dem Großen Stern. Er bog links ein. 
„Gleich sind wir dal“ sagte er. 
„Können Sie nicht mal halten?“ Ihre Stimme zitterte. 
„Ich muß Sie was fragen!“ 
„Na — bitte!“ Der Wagen stand auf dem einsamen 
Pflasterweg zur Lichtensteinbrücke. „Aber Hildchen — 
Kindchen — Sie machen ja ganz wildromantische Augen! 
Sie schlucksen ja vor Aufregung! 'raus damit!“ 
„Was — was haben Sie denn eigentlich ausgefressen?“ 
„Ich?“ Der Schlosser Werner zeigte lachend die weißen 
Zähne. 
„Mir können Sie's ja sagen!“ 
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