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Full text: Karussel Berlin / Stratz, Rudolf (Public Domain)

„. ... und wer da drüben an der Strippe hängt! Bei 
Wiebekings is det sicher nich! Det merke ich schon an Ihrer 
Schnapskehlel ... Biste einer von der Kolonne? Wo 
haste denn die Fränze verstochen — he ...“ 
Werner Wiebeking hängte ab. Er ging hinüber in das 
Arbeitszimmer seines Vaters. Der Geheimrat saß mit 
zwei Herren, einem Kleinen und einem sehr Dicken, an 
dem riesigen Tisch. Halb mannslange Kartonrollen lagen 
und standen zwischen ihnen umher. 
„Ich habe die Grundrisse der jetzigen Panzergewölbe im 
Hauptgeschäft schon vorgestern abend hierherschaffen lassen, 
damit Sie heute gleich im Bilde sind!“ sagte er zu den 
Architekten. „Das ist also der jetzige Status, der mir nun 
einmal nach den nächtlichen Erfahrungen der letzten Zeit 
ungenügend erscheint ...“ 
„Wir dachten schon daran, den ganzen Tresor nach 
amerikanischem Muster auf Säulen zu setzen, Herr Ge— 
heimrat, um den Knackern die Anlage eines Tunnels un— 
möglich zu machen!“ 
„Jedenfalls möchte ich mit einem ganz modernen Um— 
bau sofort beginnen — und wenn alle Weisen von 
Berlin mir schwören, daß ein Einbruch in eine Hauptbank 
ein Ding der Unmöglichkeit ist . .. Was hast du, 
Werner?“ Der Vater drehte den energischen, bärtigen 
Graukopf zur Tür. „Ich bin augenblicklich sehr beschäftigt!“ 
„Ich muß dich leider stören! Denk' mal, die kleine 
häselich ...“ 
„Bitte — laß mich mit diesem Frauenzimmer in Ruhel“ 
sagte der Geheimrat ärgerlich. „Ich hatte euch in Gottes 
Namen nachgegeben! Ich wasche meine Hände in Un— 
schuld! Seid froh, daß ihr sie wieder los seid!“ 
„Aber ...“ 
„Ich habe wirklich Wichtigeres im Kopf als dies Mäd— 
chen aus der Fremde, auf das du 'reingefallen bist! Ich 
wünsche davon nichts mehr zu sehen und zu hören!“ 
„Herr Kriminalkommissar Dürisch!“ meldete der Diener. 
„Was will er?“ 
„Es sei dringend wegen des Fräulein Häselich!“ 
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