Path:
40

Full text: Karussel Berlin / Stratz, Rudolf (Public Domain)

Aber da auf dem Tisch liegt der große Versucher — der 
Tausendmarkschein! Und daneben der rote Baedeker, 
mit dem man so oft schon in Gedanken — nur in Ge— 
danken — nach dem Lande Italien gefahren ist! Es hat 
nie dazu gelangt. Man wird allmählich alt und grau. 
Nur die Sehnsucht bleibt. Die deutsche Sehnsucht ..... 
Und da, auf dem Tisch mit dem Tausender, erfüllt sich 
die Sehnsucht eines Lebens: Rom. Der Golf von Neapel. 
Die Venus von Mediei .... Lieber Gott — sei barm— 
herzig — laß die Polizei nicht kömmen .... Wir möchten 
doch so gern nach Italien — die Thekla und ich! Wir 
haben ja so wenig vom Dasein gehabt. Immer nur Müh' 
und Arbeit .... 
Der Mann im Angstschweiß hatte den Or.Ing. Wiebe— 
king geräuschlos auf die Straße gelassen. Werner Wiebe— 
king stand vor dem stillen Haus. Er merkte sich die 
Nummer. Die Straße. Den seitlichen, geschlossenen Tor— 
eingang nach dem Hinterhof. 
Und nickte in Gedanken: Wenn ich mir jetzt die Fränze 
lange und mich mit ihr in das Dunkel der Wölbung stelle 
— einmal tröpfeln, gegen Morgen, die da oben aus dem 
Haus! Bis dahin ist auch der Lüttchen längst wieder zurück 
und unter ihnen . ... 
Ich fahr' und hole die Fränze ... Er winkte seinem 
abseits haltenden Wagen ... Dann muß die mir zeigen, 
ob am Ende der Ale mitherauskommt .... 
41 
„Das ist wegen der Berliner Pflanze dahinten, daß 
ich's heute nacht so eklig mit den Nerven hab', Frau Mei— 
necke!“ sagte in der Portierwohnung der Villa Wiebeking 
die Jungfer Elise. 
„Morjen früh wird se ja abjeschoben! Meinen Sejen 
hatse!“ 
„Aber bis dahin .. 
170
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.