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Full text: Karussel Berlin / Stratz, Rudolf (Public Domain)

„Ich glaube, die hat sich vergiftet ...“ Die Portiers- 
frau faltete andächtig die Hände vor dem Bauch. 
„Nee! Det sind bloß die fliegenden Nerven!“ Das 
herdfeuerrote Gesicht der Köchin lugte wie ein Vollmond 
über die Schultern der andern. 
„Krämpfe hat sie!“ Elise, die bebrillte Jungfer, füllte 
ein Glas aus der Wasserleitung. 
Auf ihrem Bett lag die Fränze in wilden Zuckungen, 
den dunkeln Strubbelkopf in das blauweißgestreifte Kissen 
gewühlt, bis über die Ohren unter der Decke verkrochen. 
Sie klammerte sich mit den Fäusten an die Eisenstäbe der 
Bettstelle, um nicht herausgerissen zu werden. Sie keuchte 
abgerissene, bittende, wehe Töne eines geängstigten, kleinen 
Kindes in die Tapetenwand hinein. Werner Wiebeking 
beugte sich über das Bett. 
„Fränze ...“ 
„Nehmen sich Herr Doktor in acht! Die strampelt mit 
die Spazierhölzer!“ 
„Dat's ein Theater!“ 
„Fränze ...“ 
Unter der leichten Schulterberührung fing die Fränze 
an zu schreien. 
„Laßt mich! Laßt mich! Zu Hilfe!“ 
„Wenn man 'nen Arzt 
„Das macht's nur noch schlimmer, Herr Doktorl“ sagte 
die Küchenmatrone. „So'n Anfall braucht seine Zeit! Sonst 
tritt er ins Geblüt! Die kann man jetzt nur in Ruhe 
lassen!“ 
. .. ja ... ich fürchte auch, Herr Kommissar!“ sagte 
Werner Wiebeking und zuckte die Achseln. 
„Ich warte sehr ungern!“ Der Kommissar Dürisch trat 
auf den Flur. „Aber vorläufig ist da ja nischt zu wollen!“ 
„Herr Doktor Schraudt sitzt vorn“, meldete leise und be— 
sorgt der Diener Leopold seinem Herrn. 
„Kenn' ich! Kennt jeder bei uns vom Bau!“ sagte der 
Kommissar. „Was will denn der hier?“ 
„Meine Mutter bat ihn, für das Mädel zu sorgen!“ 
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