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Full text: Karussel Berlin / Stratz, Rudolf (Public Domain)

Die Fränze ließ sich ohne Widerstand bis in die Halle zu⸗ 
rückführen. Aber dort riß sie sich von der Spinnenhand der 
Jungfer los. Die keifte: 
„Sie sollen nicht so rasaunen! Das gehört sich nicht in 
einem so feinen Haus!“ 
„Ich will zum Herrn Doktor! Er hat gesagt, Sie müssen 
mich jederzeit zu ihm führen, wenn ich ...“ 
„Der Herr Doktor ist doch weg!“ 
Draußen surrte ein Stadtwagen vor. Ein junger 
Chauffeur stürzte herein und schaute sich ratlos um. 
„Nun kriegen Sie Ihren Schnaps, Wietrich! Das 
kommt davon, daß Sie egal mit der Minna poussieren!“ 
sagte die Jungfer. 
„Herrgott — wie kann ich denn wissen ... die Ollen 
sind abjestunken! Und daß der Doktor auf einmal wieder 
hier in der Villa pennt ....“ 
„In 'ner ganz gemeinen Taxe is er abgefahren! Und 
Sie sollen, sobald Sie von Ihrem Liebeskummer genesen 
sind, hinterdrein! Westallee siebzehn!“ 
„Na — ick sause ...“ 
„... und ich mit!l“ schrie die Fränze. 
„Marsch jetzt nach hinten!“ 
„Ich fahr' mit!“ Die Kleine kämpfte gereizt wie eine 
Katze mit der kurzsichtigen Elise. Sie verdrehte ihr, mit 
einem blitzschnellen Fingergriff, die haltenden Hände. Die 
Jungfer rieb sich die geröteten Knochen. 
„Was sind denn das für Kaschemmenkniffe von der 
Rübe ...“ 
„Der Herr Doktor hat gesagt: Ich darf immer zu ihm 
kommen!“ Die Fränze stemmte herausfordernd die Fäuste 
in die Seite und beugte sich kampflustig vor. „Is wahr 
— oder nich?“ 
„Gesagt hat er's ...“ 
„Sie haben die Verantwortung“, die Fränze Häselich 
schrie es mit irren Blicken, „wenn durch so 'ne olle Spinat⸗ 
wachtel ...“ 
„Spinatwachtel sagt sie auf mich — die ausverschämte 
Puppe ...“
	        
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