Path:
2

Full text: Karussel Berlin / Stratz, Rudolf (Public Domain)

dunkelgewandeten Mann, mit einem aufgedrehten Schnurr⸗— 
bärtchen in dem runden, jovialen, völlig ausdruckslosen 
Gesicht: 
„Nun erklären Sie mir bloß, Herr Kriminalkommissar, 
wie war doch Ihr Name? Richtig: Herr Dürisch! ... die 
Schweinerei hier — das war doch dieser vielgenannte Ale?“ 
„Da hat er ja, nach seiner Gewohnheit, eine seiner 
Visitenkarten zurückgelassen!“ Der Kommissar wies auf die 
großen Kohlen⸗Schriftzüge an der weißgetünchten Wand 
des Kassenraums. „Traugott Ratemal, Dr. noct., Spezia⸗ 
list für Vermögenstransaktionen. Sprechstunde jederzeit. 
Ihr merkt's nur nicht! ...“ 
„Also nu bitte, Herr Kommissar: Wie konnte dieser Ale 
nur wissen, daß meine Geschäftsfreunde, die Amerikaner, 
während ihres Abstechers nach Wien ihren versiegelten 
Wertkoffer gerade hier bei mir deponiert hatten?“ 
„Vermutlich haben es die Amerikaner ihm wie andern 
Gästen Ihres Hauses bei Gelegenheit erzählt, Herr Ge— 
heimrat.“ 
„Was?“ 
„Sie haben wahrscheinlich schon oft selbst mit ihm ge— 
sprochen und wissen es nur nicht!“ Die schläfrigen Züge 
des Kommissars Dürisch belebten sich für einen Augenblick. 
„Sie haben den Feind im eigenen Lager, Herr Geheimrat! 
Er lebt und verkehrt mitten in den höchsten Kreisen des 
Berliner Reichtums, und das macht mir, der ich die Raub— 
züge dieses Ale seit Monaten bearbeite, die Nachforschun— 
gen so schwer — ja fast unmöglich ...“ 
„Na — hören Sie mal, Verehrtester ...“ 
„Woher hat denn dieser Ale oder der Mann im Mond 
oder der fremde Herr aus Kottbus oder wie er sich in seinen 
blödsinnigen hinterlassenen Inschriften nennt — woher 
hat er denn diese nachtwandelnde Orts- und Personen— 
lenntnis der ersten Berliner Gesellschaft? Warum geht er 
mit tödlicher Sicherheit immer nur da an den Speck, wo in 
den Millionärsvillen etwas ganz Ungewöhnliches zu holen 
ist? Warum weiß er genau, wenn solche Herrschaften ver— 
reist sind und das Haus leer steht? Warum ...“ 
10
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.