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Full text: Karussel Berlin / Stratz, Rudolf (Public Domain)

mal nicht an den Zucker 'ranlassen! Die finden ja doch 
nischt! Ich — der bescheidene Schupo Peschke — werde 
mich eines schönen Tages mit Ruhm bedecken!“ 
„Ich vigiliere für mich im Stillen 'rum, Fräulein Lüders 
. . . In der Gegend zwischen hier und dem Krüger seinem 
Lokal in der Schlünzigstraße — da scheint's mir zu brennen 
mit dem Nachtdoktor. Ich hab' vorhin so'n bißchen bei 
dem Krüger 'reingeschaut ...“ 
„Senge werden Sie da noch mal besehen!“ 
„... und wer sitzt da? Ich denke, der Affe laust mich! 
Das Mödel sitzt da — die Fränze Häselich, die mir auf 
dem Ottoplatz die ganze Gesellschaft gesteckt hatt Und um 
sie 'rum 'ne Bande — na — ich sage Ihnen: Feine 
Nummern — von dem Ringklub dort! ... Mit denen hat 
sie den Kopf zusammengesteckt ... Leise beraten haben sie 
miteinander! Was — das kann sich 'n Waisenknabe 
denken ... Was war denn das für ein Gepolter da 
nebenan?“ 
„Gott ... die Katzen ...“ 
„Ja ... Na — nun muß ich weiterl ... Ich bin ja 
so froh, Fräulein Lüders! Ich freu' mich wie ein Kind 
auf morgen! Darf ich Sie so um Uhre drei abholen? ... 
Fein!“ 
Ein Händedruck. Klingelnd schloß sich die Ladentüre hin— 
ter dem Schupo Peschke. Kaum war er draußen, so stürzte 
die Hilde Lüders nach rückwärts. Stand mit einem tiefen 
Seufzer der Enttäuschung auf der Schwelle zu dem kleinen 
Hinterraum voll leerer Fruchtkisten und Körbe. Höhnisch 
flimmerten die farbigen Frachtzettel des Südens. Zu spät! 
Die Kammer war leer. Der Schlosser Werner durch den 
Hof davon. 
Das Obstfräulein setzte sich auf einen leeren Lattenver— 
schlag für Preßdatteln aus der Sahara und brach in Tränen 
aus. Und der Schlosser Werner, um dessen Flucht ohne 
Abschied sie weinte, lief inzwischen mit langen Beinen 
durch Berlin O hinüber in Krügers Restaurant in der 
Schlünzigstraße. 
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