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Full text: Karussel Berlin / Stratz, Rudolf (Public Domain)

„Das war ja gestern bei Ihnen auf der Stube gar keine 
Polizei!“ Sie reichte dem frischen, sportschlanken, blau— 
äugigen, jungen Mann mit einem geheimnisvollen Frei⸗ 
maurerdruck die fieberheiße Hand. Sie sah auf einmal sehr 
hübsch aus in dem Schein heller Verliebtheit, der ihre 
schmalen Wangen rötete. „Das waren ja richtiggehende 
Verbrecher ...“ 
„Meine Leibgarde, Hilde!“ 
„... die Ihnen zu Leibe wollte.. 
„Mißverständnis!“ 
„Wenn der gräßliche dicke Kerl nicht im letzten Augen— 
blick dazwischengetreten wäre ....“ 
„Und dabei hab' ich keine Ahnung, warum .. 
Ein langer, trauriger Blick des Obstfräuleins. 
„Mir verraten Sie natürlich nichts!“ sagte sie schmerz— 
lich. „Aber das hab' ich doch aus den Worten des Dicken 
gemerkt: Sie sind ein viel Größerer, als die andern ge— 
ahnt haben!“ 
„Hilde — Sie überschätzen mich ...“ 
„Einer von den heimlichen, ganz Großen in Berlin! 
Ach — es ist ja eigentlich herrlichl“ .. .. Die phantastischen 
Augen der Hilde Lüders überflogen aufgeregt die Straße. 
„. . .. wie die alle sich vor Ihnen geduckt haben wie vor 
dem Tierbändiger im Zirkus . ...* 
„. . . aber nun schauen Sie um Gottes willen, daß 
nicht von der andern Seite die Blauen Sie fassen! Vor— 
hin bummelte schon einer vorbei — den kenn' ich — der 
war schon ein paarmal bei mir im Laden! ... 'n Schupo 
in Zivill Da!“ Sie zog in ihrem langen Leinenkitiel 
schreckhaft die Schultern hoch „... der Kleine, Stämmige 
mit dem vergnügten Vollmond als Visage ... Da steuert 
er direktemang aufs Lokal zu ...“ 
„Der ist nämlich noch außerdem in mich verknallt!“ Sie 
lachte plötzlich und wurde jünger, mädchenhaft übermütig. 
„Und Sie?“ 
Ein stiller, seelenvoller Augenaufschlag nur 
wort .. 
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