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Full text: Karussel Berlin / Stratz, Rudolf (Public Domain)

„Nein. Der hat mich auf mein ehrliches Gesicht hin 
Knall und Fall angenommen!“ 
„Hm ... Sosol ...“ Ein sehr mißtrauischer Blick von 
drüben. 
„Fein! Ich hab's da wie der Sohn vom Hausel“ 
„Sie reden mir lange . ... Na — was geht's mich an? 
Morgen, Herr Werner..“ 
..... Ziehe weiter, Werner Wiebekingl Deine 
Uhr im Osten ist abgelaufen. Du warst lange genug da 
draußen im bleichen Reich. Drei Monate warst du da — 
nicht wo die letzten Häuser sind, sondern wo die vielen 
Häuser sind — wo die vielen, die allzu vielen Menschen 
sind, unter dem grauen Himmel, am grauen Spiegel der 
Spree..... 
Du hast die Menschen der Arbeit gesehen — du warst 
ihresgleichen, Werner Wiebeking ..... Nimm ihr Bild— 
nis und Gleichnis mit in deine Welt ... 
Und der Monteur Werner ging in das Hotel Feuerstake 
zurück und schnürte sein Bündel. 
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„Sehen Sie, Hildchen — blaue Blume der Romantik — 
nun tue ich Ihnen wirklich den Gefallen und flüchte vor 
meinen zahllosen Verfolgern ...“ 
Der Schlosser Werner betrat um die vierte Nachmittags— 
stunde das Stückchen Süden in der fahlen, eintönig lärmen— 
den Färberstraße — goldener Orangenglast drinnen — 
üppiges Immergrün — Würzduft fremder Zonen. 
„Ich verlege von heute ab meinen Schwerpunkt nach dem 
Westen! Da mögen mich die Häscher suchen!“ 
Das Obstfräulein hob den leidenschaftlichen, regelmäßi— 
gen Kopf von ihrem Schmöker. Sie schüttelte sich die 
dunkelbraunen Kringel aus der krausen Stirne. Eine 
stille Begeisterung spielte verräterisch um ihre blassen 
Lippen. 
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