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IV.

Full text: Das Fräulein vom Spittelmarkt / Sommerfeld, Adolf (Public Domain)

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Grund im Hinterhalt, wenn sie nur erst wüßte, wo 
sie eine passende Stellung finden könnte. 
Der Mutter klagte sie über Kopfschmerzen und ner⸗ 
vöse Ermattung infolge der andauernden Ueberan⸗ 
strengung, und Frau Berger war natürlich von dem 
Leiden ihrer Inge überzeugt, weil sie mit Schrecken 
wahrnahm, wie unruhig das bedauernswerte Töchter⸗ 
chen schlief. Daß dies freilich mit anderen Dingen zu— 
sammenhing, vermutete die harmlose Frau nicht. Und 
sie hielt es auch für durchaus angebracht, daß Inge 
sich möglich vier in freier Luft bewege, und nach dem 
Mittagessen, — wenn Mama in der Küche beschäf— 
tigt war — allein ihren Spaziergang mache. 
Bei solcher Gelegenheit gab das Mädchen ein In— 
serat in der „Frankfurter Zeitung“ unter Chiffre auf 
und erhielt auch bald eine Anzahl Offerten, von denen 
sie sich die geeignetste auswählte. Sie beantwortete 
das Schreiben ihrer Art entsprechend mit aller Offenheit 
und wies darauf hin, daß sie ihre langjährige Stellung 
verlasse, weil der Seniorchef ihr einen Heiratsantrag 
gemacht habe, den sie bei ihrer Jugend nicht anzuneh— 
men beabsichtige. Infolge dieses peinlichen Konfliktes 
zöge sie es vor, nach einer anderen Stadt zu über— 
siedeln. Ein Zeugnis würde sie erst bei ihrem Antritt 
überreichen, denn aus dem erwähnten Grunde möchte 
sie ihrem jetzigen Chef noch nicht mitteilen, daß sie 
überhaupt entschlossen sei, eine andere Stellung anzu⸗ 
nehmen. Das offenherzige Schreiben hatte den gewünsch⸗ 
ten Erfolg, und Inge bekam nach vier Tagen einen 
Anstellungsbrief in ihre Wohnung geschickt mit einer
	        
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