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IV.

Full text: Das Fräulein vom Spittelmarkt / Sommerfeld, Adolf (Public Domain)

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die mich schließlich in höchster Verwirrung dazu verleitete, 
Ihnen ein Geheimnis zu offenbaren, das Ihnen gegen⸗ 
über nie über meine Lippen hätte kommen dürfen, ist die 
zwingende Erklärung für mein Verhalten. Wenn Sie sich 
in meine Beweggründe vertiefen, lieber Herr Wolfram, 
dann müssen Sie zugeben, daß ich nicht anders handeln 
kann. Glauben Sie mir, daß mein Herz sich gegen 
diese kalten Worte der Vernunft sehr heftig sträubt, 
aber ich sehe zunächst keinen anderen Ausweg, als 
der Zeit meine und Ihre Zukunft zu überlassen!“ 
Nach dieser unfreiwilligen Erklärung, die dem liebe⸗ 
vollen Mädchen nicht geringe Selbstüberwindung kostete, 
wollte Inge sich zum Abschied wenden. 
Wolfram hielt sie noch an einer Hand zurück, 
er stand gebeugten Hauptes da und seine Augen blickten 
finster, als er leise sagte: „Sie meinen, Ihre Rück— 
sicht auf meinen Vater verhindert die Betätigung Ihres 
Willens!“ 
Inge nickte bejahend, ohne dem jungen Manne 
ins Gesicht zu sehen. 
„Also darf ich hoffen, Ingeborg“, fuhr Wolfram 
fort, „daß Sie mich nicht zurückweisen, wenn mein 
Vater anderen Sinnes geworden ist?!“ 
Inge sprach kein Wort. Sie drückte dem jungen 
Manne die Hand und die tränenden Augen, mit denen 
sie ihm ins Gesicht sah, waren beredte Worte genug. 
Wolfram wollte sie in seine Arme schließen, sie entriß 
sich ihm aber mit Blitzesschnelle und eilte hinaus. 
Es war auch die höchste Zeit, denn Inges Liebe 
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