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III.

Full text: Das Fräulein vom Spittelmarkt / Sommerfeld, Adolf (Public Domain)

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die Dame, die mein Herz bezwungen hat. Ich frage 
Sie, ob — nein — im Gegenteil — ich bitte Sie, 
weisen Sie meinen Antrag nicht zurück und willigen 
Sie ein, meine Frau zu werden. Ich verspreche Ihnen, 
daß Sie es nicht bereuen sollen!“ 
Der Konsul trat ganz dicht an Inge heran und 
sah ihr in die Augen, wohl erwartend, etwas Gutes 
und Liebes aus ihrem Munde zu hören. 
Inge Berger aber senkte den Blick, ihr Gesicht 
wurde purpurrot, und ihre Finger spielten nervös mit 
dem vor ihr liegenden Briefkorb. Sie wagte aus merk⸗ 
würdiger Scham nicht, ihren Chef anzusehen, sondern 
stotterte leise in peinlichster Verlegenheit vor sich hin: 
„Ihr schmeichelhafter Antrag, Herr Konsul, kommt 
mir zu überrascht, — ich weiß nicht, was ich dazu 
sagen soll. — Ich fühle mich sehr geehrt und kann 
nur erwidern, daß ich die väterliche Fürsorge, die Sie 
mir zuteil werden ließen, sehr dankbar empfinde. Der 
Gedanke, mich zu verheiraten, ist mir bisher nicht 
in den Sinn gekommen, und Sie werden es mir da⸗ 
her nicht verübeln, Herr Konsul, wenn ich eine so 
wichtige Frage reiflich überlege und mit meiner Mama 
darüber spreche!“ 
Herr Markgraf, der offenbar eine so trockene fast 
geschäftlich nüchterne Antwort nicht erwartet hatte, 
schien über den Mißerfolg seiner wohldurchdachten lang— 
atmigen Rede sehr verblüfft zu sein. Er machte eine 
kurze Verbeugung und sagte kalt und ruhig: „Tun 
Sie das, mein Fräulein Ingeborg, und gehen Sie 
mit Ihrem Herzen und Ihrer Frau Mama zu Rate!“
	        
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