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Full text: Das Fräulein vom Spittelmarkt / Sommerfeld, Adolf (Public Domain)

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auf sich nahm, um nicht noch im letzten Augenblick durch 
die Schandtat eines wahnwitzigen Burschen das in 
greifbare Nähe gerückte Ziel vereitelt zu sehen. Denn 
endlich hatte das Mädchen doch erkannt, daß der lästige 
Liebhaber nicht mit einigen kühlen Worten abzutun 
war, und daß es töricht sei, sich den Verfolgungen des 
fanatischen Menschen unbekümmert weiter auszusetzen. 
Wolfram versuchte, seiner Verlobten die Zeit so 
gut zu vertreiben, wie es ihm nur möglich war. Er 
kam täglich zu ihr, verbrachte in Gemeinschaft mit 
Frau Berger einige gemütliche Stunden in der Woh— 
nung, fuhr mit den Damen spazieren oder begleitete 
sie ins Theater oder in ein Konzert. — 
Anuschat hatte den wuchtigen Faustschlag nicht ver— 
schmerzt, seine ganze Wut richtete sich jetzt zunächst gegen 
den Nebenbuhler, dessen Anblick ihn jedesmal in eine Art 
Raserei versetzte. Und hierzu fand sich oft Gelegen— 
heit, denn der Verfolger hatte bald herausgefunden, 
daß Inge, wie er meinte, es nicht mehr nötig habe, 
einer gewinnbringenden Beschäftigung nachzugehen, und 
daß es für sie und ihre Mutter wahrscheinlich ren⸗ 
tabler sei, den Geliebten im Hause zu empfangen. 
Wenn Anuschat nun, in einem benachbarten Haus⸗ 
flur versteckt, Wolfram kommen und gehen sah, biß 
er die Zähne zusammen, und eine unwiderstehliche Macht 
trieb ihn, dem verhaßten Großkaufmann nachzuschlei⸗ 
chen und einen Augenblick zu erspähen, wo er un⸗ 
beobachtet und hinterrücks einen Dolchstoß anbringen 
könnte.
	        
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