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IX.

Full text: Das Fräulein vom Spittelmarkt / Sommerfeld, Adolf (Public Domain)

— 177 — 
Inge erwiderte lächelnd: „Die Tonart, in der du 
von deinem Vater sprichst, laͤßt mich eher annehmen, 
daß es deine Eifersucht ist, die dir solche Worte ein⸗ 
gibt! Warum sollte ein so vernünftiger, logisch den⸗ 
kender Mann von der Art deines Vaters sich nicht 
überzeugen lassen, daß das Glück seines Sohnes auch 
sein Glück sei? Und da er mich für würdig hielt, 
— 
als Schwiegertochter zurückweisen. Dies alles sind so 
zwingende Gründe, an den Umschwung der väterlichen 
Gesinnung zu glauben, daß sich unsere Hoffnung auf 
eine baldige Vereinigung eher verwirklichen wird, 
als es dir jetzt in deiner schlechten Laune scheint. — 
Wir wollen uns freuen, eine so schöne Reise hinter 
uns zu haben, und wir wollen uns unsere frohe Zu—⸗ 
versicht und unser stilles Glück nicht durch unnütze 
Phantastereien schmälern. Zwinge dich, noch weiter 
ernst zu bleiben, wenn du dir vorstellst, daß ich durch 
eine Heirat mit deinem Vater deine Mutter geworden 
wäre. Welchen Respekt hättest du mir da entgegen⸗ 
bringen müssen!“ 
Wolfram lachte jetzt hell auf. „Na, das wäre 
eine nette Bescherung gewesen, eine düstere Familien⸗ 
tragödie hätte sich dadurch entwickelt, ein Drama 
mit mehreren Akten und einem tragischen Endel In⸗ 
sofern hast du ja nicht unrecht, als ein Mißgeschick, das 
man für unerträglich hält, im Vergleich zu einem 
schlimmeren Unglück schließlich wie eine ganz harm⸗ 
lose Sache aussieht. Trotz alledem hat mich deine 
Weigerung augenblicklich in eine so üble Laune versetzt, 
Sommerfeld, Das Fräulein vom Spittelmarkt. 12
	        
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