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IX.

Full text: Das Fräulein vom Spittelmarkt / Sommerfeld, Adolf (Public Domain)

im Auslande verleitet hat. Anders würde er diese 
plötzliche Eheschließung gegen seinen Wunsch wohl kaum 
auffassen. Und es käme ihm auch sicher nicht die 
Idee, daß du ohne meine Mitwirkung den Entschluß 
zu deinem abenteuerlichen Unternehmen allein gefaßt 
habest. Denke ferner an dich selbst! Willst du deinem 
Vater, dem du deine Erziehung und Existenz zu ver⸗ 
danken hast, für das ganze Leben fern bleiben, und 
könntest du ohne Gewissenspein mit ansehen, daß er 
sich vielleicht zu Tode grämt, seinen einzigen Sohn, 
die Hoffnung seines Alters, eines Mädchens wegen 
verloren zu haben?! Und würde nicht schließlich im 
Laufe der Jahre deine Liebe zu mir sich in Haß ver— 
wandeln, weil ich zu deinem unüberlegten Schritt nicht 
nur die Veranlassung war, sondern nachträglich sogar 
meine Einwilligung dazu gegeben hatte?! Sei also 
vernünftig, Liebster, und gib den unglückseligen Ge— 
danken auf, der deinem Vater einen Schimpf antut, 
den er wie eine Verhöhnung seiner väterlichen Autorität 
und wie einen Faustschlag ins Gesicht empfinden muß!“ 
Während dieser ganzen Rede hatte Wolfram vor 
Erbitterung seine Lippen zernagt und die Stirn in 
tiefe Falten gelegt. Jetzt seufzte er schwer auf und 
blieb stehen. 
„Kehren wir um“, sagte er mit hohler Stimme, 
„der Wald erdrückt mich. Meine Hoffnungen sind 
vernichtet!“ 
Schweigend traten sie den Rückweg an. Das 
liebliche Gezwitscher der Vögel in den Bäumen, das 
ihnen kurz zuvor ein entzückender Ohrenschmaus ge—
	        
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