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IX.

Full text: Das Fräulein vom Spittelmarkt / Sommerfeld, Adolf (Public Domain)

168 — 
das Fremdenbuch schrieb, stand Inge hinter ihm und 
stieß ihn heimlich an, weil es sie sonderbar berührte: 
Ingeborg und Wolfram Markgraf aus Berlin zu 
lesen. Der junge Mann machte eine wichtige Miene 
und sagte schelmisch: „Die Namenverbindung hat doch 
einen guten Klang, du mußt dich beizeiten daran ge⸗ 
wöhnen. Ich hoffe, daß du selbst sehr bald den Namen 
Markgraf unterzeichnest!“ 
Inge verstand den Sinn dieser Worte nicht. Sie 
hatte auch keine Zeit, darüber nachzudenken und etwas 
zu erwidern, denn es kam der Hausdiener herbei, um 
die Koffer auf die Zimmer zu bringen. Sie war auch 
so ermüdet von den Eindrücken des Tages, die wie in 
einem Sturm an ihr vorbeijagten, daß sie sich nach 
Ruhe sehnte. 
„Der große Koffer kommt in das Zimmer meiner 
Schwester“, befahl Wolfram, „den kleineren nehme 
ich selbst mit hinauf!“ 
Er verabschiedete sich dann von Inge, indem er 
ihr auf der Treppe unbeobachtet einige Küsse auf⸗ 
drückte und recht gute Nacht wünschte. 
In seinem Zimmer angelangt, klingelte er nach 
dem Stubenmädchen und bestellte für seine „Schwester“ 
morgen früh um halb neun Uhr eine Friseuse. — 
Inge betrachtete mit einer gewissen Neugierde den 
behaglich eingerichteten Raum, der ihr für die eine Nacht 
— wie sie vermutete — angewiesen war, und wunderte 
sich nicht wenig über den Aufwand an Luxus in einem 
Zimmer, das nur zum Schlafen diente. Im Vergleich
	        
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