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VIII.

Full text: Das Fräulein vom Spittelmarkt / Sommerfeld, Adolf (Public Domain)

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verbarg, sondern den Zimmergenossen offenherzig mit⸗ 
teilte, fand er bei diesen Beifall und Anerkennung und 
wurde von den Irren selbst als kluger Kopf verehrt. 
Dies schmeichelte wiederum seiner Eitelkeit und stärkte 
seinen Eigenwillen in hohem Maße. So kam er schließ— 
lich in bezug auf sich selbst zu der Ansicht, daß die 
Polizei ihn aus Furcht in diese Anstalt gebracht habe, 
um ihn nicht ständig überwachen zu müssen, und zu⸗ 
gleich mit solchen Gedankengängen kehrten auch seine 
Rachegelüste gegen Inge und deren Verlobten wieder. 
Der Furcht aller Menschen wollte er sich würdig zei⸗ 
gen; denn schließlich konnte man ihn nicht dauernd 
hier behalten, und es würde sich wohl im Laufe der 
Zeit ein Ausweg finden lassen, den Mauern der Anstalt 
zu entrinnen. Insofern er also nicht an die Außen— 
welt dachte, fühlte er sich in Wittenau ganz wohl, nur 
durch die Erinnerung an Inge kam seine Wut immer 
wieder zum Durchbruch und damit das Verlangen, 
durch neue Taten seinen Haß zu kühlen. 
Den Mißerfolg der seiner Ansicht nach fein ausge⸗ 
klügelten Sache mit dem Fahrstuhl konnte er nicht 
überwinden, und er schämte sich beinahe, daß die 
Polizei ihn für den Urheber der Tat hielt. Aber trotz⸗ 
dem glaubte er nicht, daß die Polizei klüger sei als er, 
sondern er schrieb den gegen ihn geltend gemachten 
Verdacht lediglich dem Verrat des Gastwirts zu, an 
dessen Beobachtungen er in seiner Verblendung nicht 
gedacht hatte. Das sollte ihm eine Lehre für die Zu⸗ 
kunft sein. Im übrigen zweifelte er nicht daran, bald 
roieder freizukommen, denn der Polizei würde es un⸗
	        
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