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VII.

Full text: Das Fräulein vom Spittelmarkt / Sommerfeld, Adolf (Public Domain)

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sanften Druck ihrer Hand als Täuschung seiner Sinne 
und verfiel in eine solche Unruhe, daß er in den ersten 
Tagen keiner Arbeit fähig war. Er vermißte sie nicht 
nur als Gesellschafterin oder treue Kameradin, mit der 
er seine Gedanken austauschen konnte, sondern es war 
ihm, als ob ein Teil seines eigenen Wesens dahinge— 
gangen und ihn in einer seelischen Zerrissenheit zurück— 
gelassen hätte. 
Dieser überreizte Zustand verschwand erst allmäh— 
lich durch den Briefwechsel mit Inge, aus dem er 
entnahm, daß sie die Entfernung von ihm ebenso 
schwer ertrug, wie er, daß sie mit Sehnsucht an ihn 
denke und sich das gemeinsame Glück des Lebensbundes 
als eine recht baldige Erfüllung all ihrer Wünsche 
vorstelle. So erfuhr er auch, daß seine Verlobte ihren Be— 
ruf wieder aufgenommen habe, was ihn sehr verbitterte; 
denn er sah sie nicht nur als Dienerin anderer Menschen, 
sondern es erfüllte ihn auch mit Eifersucht, daß der 
Blick anderer Männer aus nächster Umgebung auf 
ihrer reizvollen Gestalt ruhen und ihre Schönheit ge— 
nießen durfte. Am liebsten hätte er ihr ein auskömm— 
liches Monatsgehalt bewilligt, damit sie jede gewinn— 
bringende Beschäftigung aufgäbe, aber er wußte, daß 
Inge ein solches Anerbieten von vornherein als eine 
schwere Beleidigung auffassen würde. — — 
Aus allen diesen Gründen und um schließlich seine 
eigene Ruhe wiederzufinden, quälte ihn der Gedanke 
ständig, der beiderseitigen Sehnsucht durch eine rasche 
Heirat ein Ende zu bereiten.
	        
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