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VII.

Full text: Das Fräulein vom Spittelmarkt / Sommerfeld, Adolf (Public Domain)

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gefährlichen Burschen am sichersten unschädlich machen 
könnte, hielt Frau Berger ihren Vorschlag, sich an 
die Polizei zu wenden, für den geeignetsten. Inge 
wehrte lächelnd ab und meinte, die Polizei hätte viel 
zu tun, wenn sie sich um derartige Streiche kümmern 
sollte, eine Sachbeschädigung läge gar nicht vor, weil 
dieselbe Fabrik die Maschine wieder instand setze, und 
was ihre kleine Verwundung betreffe, so fehle es 
an dem Nachweis, daß er die Absicht gehabt habe, 
ihr einen körperlichen Schaden zuzufügen. Es sei ja 
immerhin möglich, daß er sie nur erschrecken wollte. 
Die Polizei träte meistens erst in Tätigkeit, wenn eine 
Bluttat bereits begangen sei, aber es läge nicht in 
ihrer Macht, eine solche zu verhindern. Etwas anderes 
wäre es, wenn der Fritz sie öffentlich bedroht oder 
zu anderen Menschen ähnliches ausgesprochen hätte. 
Im übrigen halte sie es für das Zweckmäßigste, 
Wolfram von dem Vorfall in Kenntnis zu setzen; in 
solchen Dingen wüßten die Männer besseren Rat als 
die Frauen. Vielleicht würde auch eine gehörige Tracht 
Prügel den Anuschat zur Besinnung bringen. 
Inge führte ihren Entschluß sofort aus und schrieb 
an ihren Verlobten einen umfangreichen Brief, der 
auch die Vorgeschichte zu dem dummen Streich enthielt. 
—ñif 
Wolfram hatte sich nach Inges Abfahrt tief un— 
glücklich gefühlt, es war ihm, als ob die Sonne von 
ihm gewichen sei und er in einen dunklen Abgrund 
versinken müßte. Ueberall sah er ihre liebliche Ge— 
stalt, hörte ihre melodisch weiche Stimme, fühlte den
	        
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