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VI.

Full text: Das Fräulein vom Spittelmarkt / Sommerfeld, Adolf (Public Domain)

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auch nicht getan. Und wenn Sie es tausendmal ver—⸗ 
sichern und beschwören, so erkläre ich Ihnen, daß ich 
es nicht glaube. Aber selbst, wenn Sie mir einen 
Vertrag meines Vaters mit seiner Unterschrift bräch— 
ten, würde ich, ohne das Andenken meines lieben Va⸗ 
ters zu verletzen, mit „nein“ antworten, aus dem ein⸗ 
fachen Grunde, weil ich nicht befragt worden bin. 
Die Vorbedingung zur Ehe ist eine gewisse geistige 
Gemeinschaft, die bei uns beiden nicht besteht. Sie 
werden daraus den Schluß ziehen müssen, daß eine 
Heirat zwischen uns nicht in Frage kommt. Sie wer⸗ 
den zweifellos mit einem anderen Mädchen glücklich 
werden, schlagen Sie sich daher Ihre fixe Idee, in die 
Sie sich selbst hineingeredet haben, aus dem Kopfe. 
Im übrigen will ich Ihnen nicht vorenthalten, daß 
ich bereits heimlich verlobt bin, und zwar mit dem 
Sohne meines früheren Chefs. — Sie haben meinem 
Vater manchen Dienst erwiesen, und sind meiner Mut⸗ 
ter auch vielfach behilflich gewesen, dafür will ich 
Sie gern entschädigen und Ihnen einen angenehmen 
Posten im Hause meines Mannes verschaffen, sobald 
ich verheiratet bin.“ 
Die Droschke bog in die Danziger Straße ein, 
Inge atmete auf, bald war sie zu Hause, und die 
peinliche Auseinandersetzung hatte ein Ende. 
Anuschat sprach kein Wort mehr, er brütete vor 
sich hin und murmelte ab und zu unwirsch etwas Un—⸗ 
verständliches zwischen den Zähnen. 
Ebenso schweigsam trug er den Koffer in die Woh— 
nung, nahm aber an dem freudigen Wiedersehen zwi—
	        
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