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IV.

Full text: Die geborene Tugendreich / Salomonski, Martin (Public Domain)

da ja mit dem Tode das Kundschaftsverhältnis erlosch, — 
was übrigens wirklich seine Beziehungen zur medizinischen 
Fakultät demonstriert —, war nach Friedrichsfelde ge— 
pilgert. Würdevoll nahm er am Portal, nach Beendigung 
der Feier, die etwas respektlosen Grüße aller „Sachsen“ 
entgegen, die schon auf der Suche nach der sogenannten 
Trauerdestille und jener keimenden Stimmung waren, 
wo Schmerz und Freude sich vereinen. Dort gab er seine 
berühmt gewordene Kritik der Beerdigungen zum Besten, 
die von da aus ihren Weg in die Witzblätter gefunden 
hat, und seitdem wie die Kometen, unregelmäßig und 
verwandelt, — man könnte auch sagen: „in immer neuer 
Frisur“ — wiederkehrt: „Das hätte Witt erleben sollen, 
von einem Pastor begraben zu werden!“ Jeder fühlte, 
daß hier etwas nicht stimmte, und Wiechmann hatte die 
Lacher auf seiner Seite. 
Ein unwirklich schöner April hatte Berlin in fast 
sommerliches Grün gekleidet. Jene Lüfte oder Düfte, 
denen man so willig das Attribut balsamisch zuerteilt, 
sandten ihre Ferngrüße bis in die Stadt, die sonst im 
stickigen Feuermeer der Arbeit und der Enge loht. In 
solchen dem Jahre nur karg zugemessenen Tagen be— 
kommen die Menschen etwas romantisch-traumseliges. Die 
einen sehnen sich nach ihrer begrabenen Jugend, die 
andern suchen ihren noch im Dunkel liegenden Morgen. 
Doch alle wollen der Natur nacheifern und dem schnell 
welkenden Leibe einen Schmuck oder etwas innerlich Gutes 
gönnen. Das nennt der Kaufmann Saison, und die 
Mode-Geschäfte und Süßigkeitsläden haben gute Zeit. 
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