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Im Osten Berlins

Full text: Klasse im Kampf / Schröder, Karl (Public Domain)

kommst du. Das einzigste — hier auf dem Bahnhof —, aber ick halt et 
für ausjeschlossen — und wenn —, dann weeßte Bescheid. Red’st nich, 
spielst ’n Dummen — det fällt dir wahrscheinlich nich schwer — für 
det andere sorjen Franz und Erich. Ihr schmeißt die Kiste, wa?“ 
Jaffke grinst. Erich und Franz — die auch hier in der Stube die Schirm- 
mützen tragen — stehen am Fenster wie Zwillingsbrüder. Kräftig und 
tatbereit. Brüder, Kastor und Pollux, dunkel und niedriggestirnt der 
eine, hell, schmalschädlig der andere. Sie reden nicht, geben Antwort 
auf ihre Art. Eine Handbewegung, Kopfnicken nach hinten — das ist 
ihre Antwort. Aber deutlicher sagt es als Worte: Auf uns kannst du 
dich verlassen. 
Noch einmal nimmt Jaffke das Wort: 
„Und wenn se dich wirklich schnappen sollten — dann weeßt du nüscht 
von dem Koffer, Denn is et Fritzen seiner. Aber Quatsch, det viele 
Reden! Die Bullen sind viel zu dußlig, wie sollen die darauf kommen, 
det der Boden fourniert is. Mensch! Mach nicht son dowes Gesicht, ick 
wünschte — — jenug — fertig machen, Jungens!“ 
Er springt elastisch vom Bett. Er trägt jetzt keine Brille. Die häßlichen 
Züge sind plötzlich gestrafft, die kleinen Augen zu schmalen Schlitzen 
zusammengezogen. So sicht das Gesicht fremdartig aus, asiatisch, 
mongolisch; unverkennbar aber drückt es in dieser Minute eiserne 
Energie und entschlossene Tapferkeit aus. 
Stephan antwortet nicht, Er holt nur schwer Atem — stößt ihn lang- 
sam wieder heraus. 
Stephan Wischniewski war russisch-polnischer Untertan. Im Kriege in 
Deutschland gefangen. Es war nicht schwer, ihn zu fangen. Er hat 
Dicht eingesehen, sich für die Herren „Psiakrew“ zum Krüppel schießen 
zu lassen. So ist er in Deutschland geblieben, ist Deutscher geworden. 
Gearbeitet bei Borsig, dann Arbeit im Kula-Werk. Da ist er acht Jahre, 
seit drei Jahren Meister. Gerade als er es wurde, ist er mit Jaffke zu- 
sammengekommen, der konnte Polnisch sprechen. So ist alles gewor- 
den, Er hat die Sache gemacht, so gut er konnte. Wohl ist ihm freilich 
nicht dabei, Gott sei Dank, daß er neulich gerade Urlaub hatte. Einen 
Tag früher, dann wäre die Sache schief gegangen. Vermutlich wäre er 
mit den andern zusammen verhaftet worden. Verflucht, wenn jetzt 
die Geschichte nur klappt. Dieser Jaffke hat eine eigene Art, zu grinsen, 
wenn er Bosheiten sagt. Daß er die Sonja hierlassen muß mit den beiden 
Kindern — das ist schließlich nicht schlimm. Auch Sonja nimmt es nicht 
tragisch. Die kommt schon durch — außerdem wird die Rote Hilfe für 
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