Path:
Zwei Intelektuelle

Full text: Klasse im Kampf / Schröder, Karl (Public Domain)

Eben will Eschbach im Privatbüro seines Abteilungsdirektors einen 
Brief an den Chef diktieren, der sich auswärts im Bade erholt, da hört 
er vor der Tür einen schnellen heftigen Stimmenwechsel. Gleich darauf 
betreten mehrere Herren, ohne anzuklopfen, das Zimmer. 
„Was soll das heißen, was wünschen Sie?“ 
Niemand beantwortet seine Fragen. 
„Wo ist Ihr Chef?“ 
„Ehe ich antworte, möchte ich wissen: was veranlaßt Sie — —“ 
Er kommt nicht zu Ende. Einer der Herren tritt auf ihn zu, lüftet ein 
wenig den Aufschlag des Rockes: „Kriminalpolizei.“ Und dann: „Sie 
verlassen vorläufig nicht das Zimmer.“ 
Die Herren sprechen leise ein. weniges untereinander. Die Mehrzahl 
geht; zwei bleiben zurück. 
Von Büro zu Büro wiederholt sich die Szene. Noch wissen die An- 
Bestellten nicht, was alles bedeuten soll. Noch stehen die Arbeiter an 
den Maschinen, die Techniker vor ihren Zeichenbrettern. Hoch- 
spannung aber liegt über dem Werk. Unheimlich der brutale Lärm. 
Unheimlicher noch das Schweigen der Männer. Eschbach greift ans 
Telephon. Niemand hindert ihn; niemand aber antwortet auf seinen 
Anruf, Eine Stunde vergeht. Eine Stunde versucht der eine der Frem- 
den ihn auszufragen. Nach Einzelheiten des Geschäftsbetriebes. Esch- 
bach gibt keine Auskunft. Er fühlt sich nicht solidarisch mit seiner 
Direktion. Er ist Kommunist, wenn es auch niemand hier weiß. Er 
fühlt sich aber auch nicht solidarisch mit denen, die hier untersuchen 
wollen. Untersuchen — er weiß nicht was. 
Hartnäckig fragt der andere weiter, immer das gleiche Thema um- 
kreisend. Fragt nach neugeschlossenen Lieferverträgen, nach Sonder- 
konventionen mit anderen Firmen. Eschbach verweigert die Antwort. 
Ist die Antwort nicht zu umgehen, weicht er aus. Da wird der andere 
ungeduldig: 
»Sie können uns doch nicht vormachen, Herr Doktor, Sie wären in 
dieser Angelegenheit unorientiert. Ich will Ihnen etwas sagen: Ich 
Meine es gut, Sie sind ja nur Angestellter, schließlich haben Sie die 
Befehle Ihrer Vorgesetzten auszuführen. Aber wie gesagt, ich gebe 
Ihnen den dringenden Rat, beizeiten die Wahrheit zu sagen. Eine 
Weitere. Weigerung könnte Ihnen teuer zu stehen kommen. Nicht 
Wahr, Herr Kommissar?“ 
Der Kommissar antwortet nicht. Murrt nur. Offenbar tut er nur seine 
Pflicht, „Vielleicht nicht einmal gern.“ — Das schießt Eschbach durch 
76
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.