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Wie soll man's machen?

Full text: Klasse im Kampf / Schröder, Karl (Public Domain)

man denkt. Wenn er überlegt — die vielen Jahre — und noch kein 
Ende abzusehen — -— die Gleichgültigkeit der Proleten jetzt im Be- 
trieb — das Wachsen der Nazis — — sind denn die Menschen wirklich 
so dumm? 
„Wir haben noch ein schweres Ende vor uns, Willi. Wenn bloß Ruß- 
land aushält. Das ist das Wichtigste ...“ 
„Mensch! Raskopp! Willst du auch Trübsal blasen? Das hätt ick von dir 
nich erwartet! Du hast wol zuviel Fühlung mit den Herren da 
oben? ...“ 
„Quatsch nich! Auf solchen Blödsinn geb’ ich überhaupt keine Antwort. 
Aber man muß sich doch seine Gedanken machen. Das schadet dir auch 
nich.“ 
Raskopp ist wieder Kämpfer. In einer Versammlung wäre er jetzt ein 
gefährlicher Gegner, 
„Ich will dir was sagen, Willi: Ich bin jetzt — die Lehrlingszeit ein- 
gerechnet — beinahe zwanzig Jahre in der Gewerkschaft. Da werd’ ich 
wissen, was los is. Und das sag’ ich dir, und allen andern: Ich hab’ mich 
überzeugt, daß es richtig is, unsere eigene Gewerkschaft aufzuzichen, 
aber wenn sich manche denken, das jeht mit 'm Wuppdich und mit dem 
Maulwerk allein, dann sollen sie sich ihr Lehrgeld wiedergeben lassen.“ 
Sie sind in der Nähe einer Laterne. Angriffsbereit sicht Raskopp den 
anderen an. Der aber hat eine Maske vor dem Gesicht. Keine Miene 
läßt darauf schließen, daß er sich als Angegriffener fühlt. 
„Haste recht, Albert, man muß sich seine Gedanken machen. Det is der 
janze Witz: Wie soll man’s machen? Aber jemacht muß es werden! 
Schluß für heute. Wir reden noch öfter; drüben wohn ick. Nummer 
dreizehn, Ne Jlückszahl. Rot Front, mein Junge.“ 
Er verschwindet, ohne ein Wort der Erwiderung abzuwarten. 
Raskopp fröstelt. Jetzt hätte er gerne noch gesprochen. Langsam geht er 
zurück, hört in der Stille der Nacht den eigenen Schritt. Er grübelt 
wieder, Wie soll man’s machen? Sicher nicht so, wie Jaffke denkt. 
Ist Jaffke doch ein Spitzel? Er weiß nicht mehr, was er denken soll. 
Aber gleich. — Wie soll man’s machen? 
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