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Wie soll man's machen?

Full text: Klasse im Kampf / Schröder, Karl (Public Domain)

Das ist grob; aber Wiese ist nicht beleidigt, er zuckt nur leicht mit der 
Achsel: „Na, denn nich!“ 
jetzt aber geht Brinkmann zum Angriff über. Aufreizend langsam 
beugt er sich über den Tisch; die breiten fleischigen Schultern auf die 
Ellbogen gestützt, die beiden mächtigen Hände mit den dichten hellen 
rötlichen Haaren darauf weit vorgeschoben. So sicht er den anderen an. 
„Sag mal, Brandt, du bist doch Parteimitglied, was? Weiß die Partei 
von deiner Delegation?“ 
Brandt schweigt. Sein Gesicht aber sprüht Wut und Verachtung. Wohl 
eine halbe Minute lösen sich beider Augen nicht voneinander, Es ist ganz 
still am Tisch. Alle sind tief erregt. Hier wird etwas berührt, was an die 
Wurzel geht. Mag einer schimpfen, wie er will — alle tun es —, mag er 
austreten aus der Partei, in die andere Partei gehn — das gibt Krakeel, 
gewiß, aber schließlich muß jeder mit seinem Gewissen fertig werden. 
Zuletzt sind beides Arbeiterparteien; mal müssen sie wieder zusammen- 
kommen. Aber hier liegt anderes vor. Das springt aus Brinkmanns 
Frage heraus. Hier geht’s um Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit überhaupt, 
um die Art des Kampfes unter Klassengenossen. Hier ist das, was immer 
wieder der KPD. und Moskau nachgesagt wird. Lenin soll gesagt haben: 
Jede Lüge, jeder Betrug, jeder Meineid ist im Kampf erlaubt. Man 
muß mit vergifteten Waffen kämpfen. Keiner von denen, die heute 
hier sitzen, hat es selber gelesen. Aber es geht schon jahrelang; sicht 
leider so aus, als wäre es wahr. 
Schön! — — Im Kampf mit den Klassengegnern! — Mit Kapitalisten! 
— Meinetwegen — da kann keiner die Wahrheit sagen. Die Kapitalisten 
lügen, betrügen, wie es Profit verspricht. Aber — unter — Klassen- 
Senossen?! Arbeiter gegen Arbeiter! Da hört’s auf! 
So denken alle, die hier sitzen; dachten wenigstens so; auch Fritze 
Brandt. Sie haben oft genug darüber gesprochen. Ist es jetzt anders? 
Alle spannen auf seine Antwort. Und die Antwort kommt; kommt so, 
wie alle erwartet haben und doch vor sich selber zu leugnen suchten. 
Mit verbissenen Zähnen stößt Brandt die Worte heraus: 
„Ast die Partei mein Vormund?! Für euch vielleicht, aber nich für mich. 
Von diesen Strolchen laß ich mir nichts befehlen!“ 
Brinkmann ist der einzige, der ruhig bleibt nach diesen Worten. 
„Na, denn man zu! Viel Glück auf ’n Weg!“ 
Er trinkt sein Bier, Aber keiner der anderen trinkt mit ihm. Sie reden 
durcheinander: am Ende setzt sich Max Arnold durch. 
»Nu is’s genug, Fritz. Du weißt nicht mehr, was du redest. Wir gehen 
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