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Am Alex

Full text: Klasse im Kampf / Schröder, Karl (Public Domain)

das? Irgendwas muß es doch sein. Zum Arzt mag er nicht gehen. Er 
hat Furcht, der entdeckt allerlei an ihm. Er ist dick geworden in den 
letzten zehn Jahren. Dabei ißt er nicht mehr als früher. Zeitweise 
plagt es ihn scheußlich. Druck und Spannungsgefühl an der rechten 
Seite. Manchmal, wenn er vorsichtig tastet, fühlt es sich hart an. Emilie, 
seiner Frau, kann er nichts sagen. Die gibt sonst keine Ruhe. Lächerlich 
auch, wegen jeden Quarks zum Arzt hinlaufen. Was will der Uprecht? 
Heute ist alles verdreht ... Kribblig fährt er ihn an. 
„Du hast gut reden: reg dich nicht auf ... Du kennst die Verhältnisse 
eben noch nicht, warte ab! Du wirst schon sehen, was diese Bande sich 
alles ausheckt. Immer feste verleumden! Etwas wird schon hängen- 
bleiben. Da kann man nicht ruhig bleiben. So schlimm wie jetzt war es 
überhaupt noch nie. Paß auf! Die spalten. Natürlich wollen sie uns die 
Schuld zuschieben . . .“ 
„Du regst dich schon wieder auf ... wollen wir uns denn ganz die 
Laune verderben?“ 
Uprecht wird gewöhnlich gemütlich, wenn er Alkohol trinkt. Be- 
trunken wird er nicht, es wird ihm nur wohl. Wenigstens sonst. Aber 
jetzt vergeht ihm die Laune, Schließlich sitzt er nicht hier, die Ver- 
sammlung fortzusetzen. Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps. 
Riebe beginnt ihm auf die Nerven zu fallen. Ob man nach Hause 
geht? 
Er hat keine Lust dazu. Er ist allein. Die Frau ist auf Besuch bei den 
Eltern; der Junge auf der Maschinenbauschule, Uprecht ist Strohwitwer 
heute. Am liebsten machte er einen Zug. Der Alex gefällt ihm gut. Es 
prickelt so in den Fingern. So ein bißchen Sankt Pauli und doch wieder 
anders, Aber es hat keinen Zweck mit Riebe. Soviel hat er raus. Der 
wird ja ungemütlich. Vielleicht ist er nicht gesund ... 
„Trink noch ’ne Halbe, Gustav, dann wird dir besser ...“ 
„Blödsinn, laß mich in Ruh!“ 
Heftig und laut fliegen die Worte heraus. Aber plötzlich beginnt er zu 
lächeln. Dies Lächeln, bei dem der Mund ein wenig schief steht, die 
dunklen Augen entschuldigend bitten, hat etwas Rührendes. 
Ein anderer Mensch sitzt da. Uprecht empfindet es; schweigt, obwohl 
er schon eine Geste der Abwehr machte. 
„Entschuldige — Georg. — Man ist gereizt. In der Provinz ist leichteres 
Leben. Ich weiß es von Bremen.“ 
Er macht eine kurze Pause; besinnt sich, ob er das Weitere sagen soll. 
Dann beugt er sich näher zu Uprecht: 
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