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Drohender Streik

Full text: Klasse im Kampf / Schröder, Karl (Public Domain)

Wider alles Erwarten hat der Schritt Erfolg. Welches immer die Gründe 
der Direktion sein mögen — vielleicht kommt auch ihr die Aktion zu 
früh; vielleicht legt sie Wert auf Abschluß bestimmter, in Angriff ge- 
nommener Arbeit; vielleicht gibt es doch so etwas wie Rücksicht auf 
Leute wie Brinkmann? — Gleich, wie es ist — die Direktion desavouiert 
ihren Spieß. „Ein Mißverständnis läge vor, an dem allerdings Ernst 
Brinkmann mitschuldig wäre.“ Immerhin: der neue Mann des An- 
stoßes solle ab morgen die Abteilung nicht mehr betreten. Aber jetzt 
auch sofort wieder an die Arbeit, sonst allerdings behalte die Direktion 
sich vor, andere Schritte zu tun. Das kommt so schnell und über- 
raschend, daß sogar Arnold verdutzt ist. Ein Sieg — so leicht er- 
rungen — ist ihm aus seiner langen Praxis nicht in Erinnerung, 
Als er und die beiden anderen zurück sind, den Versammelten auf dem 
Hofe Bericht zu geben, entsteht im Handumdrehen Tumult. Viele 
wollen einfach nicht glauben. Viele halten dies alles für einen gemeinen 
Trick; manchen scheint es auf einmal Quatsch, wegen solcher Lappalie 
überhaupt die Arbeit hingeschmissen. zu haben. Zeit verloren, also 
Lohnabzug. 
Alles summt durcheinander, als Arnold bekanntgibt, die Arbeit sofort 
wieder aufzunehmen, da der Anlaß zum Streik behoben wäre. Die 
Oppositionellen aber, die Vertreter der KPD. beginnen zu rasen. Ras- 
kopp selber zwar hält ein wenig zurück. Als erfahrener Mann des 
Betriebes weiß er zu gut, daß man schlecht ohne sichtlichen, über- 
zeugenden Grund zu einer so schweren Aktion weiterschreiten kann. 
Andererseits aber hat er sich schon so festgebissen, daß es ihm äußerst 
schwer wird, sich wieder vom Gegner zu lösen. In diesem Augenblick 
hat er die Führung verloren. Einige Jüngere springen vor; weniger 
klar, weniger redegewandt, aber ohne Hemmung. 
„Genossen! Kollegen! Glaubt ihnen nicht! Betrug! Nichts als Betrug! 
Ihr seht, was los ist. Jetzt kommen die Nazis schon in den Betrieb. 
Paßt auf, ihr werdet betrogen. Heut tun die Bonzen noch so, als sind 
sie gegen den Lohnabbau, aber morgen schon sind sie einverstanden. 
Schreit den Verrätern die Wahrheit ins Gesicht. Sie sind die wirklichen 
Spalter. Wer ihnen nicht paßt, den schmeißen sie aus ’m Verband. 
Kommt zu uns! Die revolutionäre Gewerkschaftsopposition, die RGO. 
vertritt eure wahren Interessen. Auch euch, Kollegen, die ihr noch 
unorganisiert seid — auch euch vertreten wir. Wir beschimpfen euch 
nicht wie die SPD. Kommt zu uns — und ihr lernt, was nötig ist. Bei 
uns erhaltet ihr Unterstützung.“ 
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