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Jugend unterwegs

Full text: Klasse im Kampf / Schröder, Karl (Public Domain)

Schwer trägt das Alter. 
Schwerer die Jugend. 
Am schwersten aber trägt die Jugend der Arbeiterklasse. 
Am kräftigsten aber wehrt sie sich auch. 
Bitter der Kampf. Noch einmal kämpft die Jugend den Kampf der 
Alten, kämpft den Zwiespalt der Arbeiterklasse. Will die Einheit, er- 
sehnt den Sieg, lebt die Spaltung, vergrößert die Niederlage. Fällt, 
richtet sich wieder auf, wird am Ende die Einheit schaffen; weil die 
Einheit allein das Ende der Qual herbeiführt. 
Zwei Jugendgruppen sind unterwegs. Ziel ist das Arbeiterheim am 
Schönen See, im Norden Berlins, eine Stunde weit mit der Bahn. Dort 
werden sie übernachten. Helmut Raskopp ist bei der einen Gruppe, bei 
der andern Erika Brinkmann. Jugend zweier Parteien, bekämpfen sich, 
ohne einander zu kennen. Bekämpfen sich, wie die Alten, und haben so 
vieles gemeinsam. Mehr gemeinsam, als die Alten gemeinsam haben. 
Noch trennt kein Beruf sie, kein Kampf um den Platz in der Werk- 
statt, kein beleidigter Ehrgeiz, kein ausgedörrtes Gehirn. Gemeinsam 
ist allen die Freude. Das schnelle Vergessenkönnen. Gemeinsam die 
Hoffnung, der Glaube an ihren Sieg. Gemeinsam die unbekümmerte 
Liebe zur Sache, die Ergriffenheit und die Achtung vor großer Tat. Ge- 
meinsam die schnelle Hand, der rasche Gang, das empfängnisbereite Hirn. 
Gemeinsam ist allen das Lachen. Im Lachen aber platzt die starre Hülle 
des Fanatismus, wie reife Stachelschalen braunblänkernder Kastanien. 
Spräche Jugend allein zur Jugend — im großen Lachen erwüchse die 
Einigkeit ihrer Klasse. 
Zwei Gruppen gehen auf Fahrt. Zwei Gruppen lachen das gleiche 
Lachen. 
Der Juniabend ruht brütend heiß in den Straßen, auf dem stein- 
gepflasterten Anfahrtplatz vor dem Stettiner Bahnhof, als Erika 
Brinkmanns Gruppe sich vor dem Eingang versammelt. Vier sind da, 
außer Erika, Rudi Kofalk, Ulla Schröder und Alfred Bittner. Man 
wartet auf die Geschwister Blau. Heinz und Suse. Heinz, den „Strich“, 
weil er lang und dünn ist, und Suse, die „Kratzbürste“, die es nicht 
lassen kann, den Bruder zu striegeln. 
Jugend ist ungeduldig, aber voll heiterer Ungeduld. Belustigt, ver- 
ärgert, voll Neigung und auch voll Bösartigkeit blicken die zahlreichen 
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