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3. Kapitel

Full text: In der dritten Runde / Schievelkamp, Max (Public Domain)

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nach Berlin kommandiert gewesen, hatte den Kursus 
mit Auszeichnung mitgemacht, und führte seitdem 
im Offizierskorps der Carola⸗Dragoner den Spitz— 
namen „Der Borer“. Damals hatte er Berlin 
kennen gelernt. Aber diese Bekanntschaft war eine 
ziemlich oberflächliche geblieben. Er hatte außer bei 
seinen Vorgesetzten nur in ein paar befreundeten 
Familien verkehrt und es vermieden, im Kreise 
leichtlebiger Kameraden im Sumpf der Großstadt 
Studien zu machen. Damals haͤtte er auch den Herz⸗ 
schlag des arbeitenden Berlin nur ganz leicht aus 
weiter Ferne vernommen, als er im Hause des Herrn 
von Rittberg verkehrte, der den Attila der 3. Garde— 
Husaren an den Nagel gehängt hatte, um Schwieger⸗ 
sohn eines Groß-Industriellen zu werden. Hierhin 
tönte gelegentlich das Echo aus jener Welt der Ge—⸗ 
schäfte, die für den jungen Reiteroffizier ein Buch 
mit sieben Siegeln war, und in die einen Einblick 
zu gewinnen er für überflüssig hielt. Er wußte, daß 
er sich nicht aus der Bahn werfen lassen würde, selbst 
nicht durch die Liebe zu Erika von Rittberg. 
Die Neigung zwischen der Tochter des Hauses 
und dem Carola-Dragoner, geboren aus innerster 
Seelengemeinschaft, war zu einer Leidenschaft ge— 
worden, deren Gewalt sich beiden erst offenbarte, als 
Franken nach Ablauf seines Kommandos wieder zu 
seinem Regiment zurückkehren mußte. Damals auf 
dem letzten Hausball hatte er, durch den bevorstehen⸗ 
den Abschied erschüttert, Erika in abgerissenen Wor⸗ 
ten seine Liebe gestanden und das Gelöbnis der 
Treue in einem unbewachten Augenblick von den er—
	        
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