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Full text: Die Unterwelt von Berlin / Landsberger, Artur (Public Domain)

Frau zusammen. Natürlich eine Dirne, da ich 
ein gewisses Interesse dafür habe, mit einer 
Dirne zusammenzuleben, da sie in Stunden, wo 
es mir schlecht ging, immer als rettender Engel 
zur Stelle war. Unglückliche Familienverhält- 
nisse trieben sie vor zirka zwanzig Jahren als 
siebzehnjähriges Mädchen auf die Straßen Ber- 
ins. Wie schnell so eine Person dem Laster der 
Großstadt verfällt, ist wohl manchem unglaub- 
lich. Sie lernte zu der Zeit einen Herrn kennen, 
der das Bestreben hatte, sie als ausnützendes Ob- 
jekt zu behandeln. Zwei Jahre betrieb sie das 
Handwerk im stillen. Bis sie eines Tages der 
Sittenpolizei in die Finger fiel — und nun war 
alles für sie verloren. Elternhaus und alles war 
für sie vergessen. Mein Zusammenleben mit 
ihr dauerte annähernd fünf Jahre. Die ersten 
Monate verlebten wir friedlich zusammen. Bis der 
9. November 1918 eine Wendung brachte. An 
diesem Tage wurde ich von einem alten Be- 
kannten abgeholt, der mir als erster mitteilte, 
daß der Krieg erledigt ist und wir wieder frei 
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