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VI.

Full text: Die Reichen / Landsberger, Artur (Public Domain)

Seite aus nicht unberechtigt. Sie sollte sich aber 
über die Sammlung hinaus auch auf alle die andern 
Kunstwerke erstrecken, die ich — und vor mir 
mein Vater, Großvater und Urgroßvater, ge- 
sammelt haben. Es ist die Sorge der Lebenden! 
Aber nicht der Toten!“ Diese beiden Sätze be- 
tonte er — und da die sechs ihn offenbar nicht 
verstanden, so fuhr er fort: „Dem Toten kann es 
an und für sich ja gleichgültig sein, wie sich seine 
Kinder mit dem Erbe auseinandersetzen — zu- 
mal, wenn sie imstande sind, auch ohne dies Erbe 
das Leben fortzusetzen, das sie bis dahin geführt 
haben. Noch ein Auto, noch eine Reise, ein paar 
Gesellschaften und ein Dutzend Kleider mehr im 
Jahr — lohnt es sich für mich, deshalb auch nur 
eine letztwillige Verfügung zu treffen? Es lohnt 
sich nicht! — Ihr verfahrt, als wäret ihr namen- 
lose und traditionslose Neureiche. Deren einzige 
Macht ist das Geld! Aber ich und eure Mutter 
vermachen euch Wertvolleres! Einen Namen, 
dessen Wert nicht darin liegt, daß er Jahrhunderte 
alt ist, sondern, daß in jeder Generation die Träger 
dieses Namens Persönlichkeiten waren, die den 
Ruf der Jahrhunderte von neuem bestätigten. Ob 
da einer von ihnen ein bißchen Geld mehr oder 
weniger hatte, das hat in all den Jahrhunderten 
nie eine Rolle gespielt. Und nie ist es geschehen, 
daß einer eurer Ahnen seine Tür jemandem ge- 
öffnet oder ihn gar aufgefordert hat, an seinem 
Tische Platz zu nehmen, nur weil er ein reicher 
Mann war, von dem er Vorteile erwarten durfte.
	        
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