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XXII.

Full text: Die Reichen / Landsberger, Artur (Public Domain)

Ihr Seidenkleid und ihre Finger waren mit mehr 
oder weniger wertlosen Brillanten besät. Der 
Inhalt eines Fasses Patschuli schien sich über sie 
ergossen und mit starkem Kampfer, der das „gute 
Kleid“ während der Zuchthausjahre wohl gegen 
Motten hatte beschützen sollen, vermischt zu haben. 
Als sie eintrat, erhob sich Adolf, wies auf den 
Sessel vor seinem Schreibtisch, sagte: „Bitte!“ und 
stellte sich vor. 
„Anjenehm!“ erwiderte sie und bewegte sich, 
geziert wie eine Bachstelze, auf den Sessel zu. 
Adolf blieb der Atem weg. Er schnappte drei- 
mal wie ein Fisch in der Luft, dann riß er die 
Fenster auf und sagte: 
„Das ist unmöglich!“ — Aber sofort besann er 
sich seiner Pflicht und des Zwecks, aus dem er hier 
Menschenliebe übte. Er zündete sich eine Zigarette 
an — nicht, bevor er auch Frau Mieze Frege eine 
angeboten — die aber eine Zigarre erbat und er- 
hielt — hielt sich ein Riechfläschchen unter die 
Nase und begann: 
„Gnädige Frau! In Ihrem Alter. . “ 
„Werden Sie nich frech!“ 
„Das sagt man bekanntlich auch von jungen 
Frauen.‘ 
„Jott, was Sie schmeicheln.“ 
„Jedenfalls sollten Sie jetzt endlich anfangen zu 
arbeiten.“ 
„Wat? ich hör’ wohl nich recht? Mit achtund- 
fufzig Jahren und eine kranke Niere — von das 
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