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XIV.

Full text: Die Reichen / Landsberger, Artur (Public Domain)

vollendeter Grazie über alle Konventionen hin- 
wegsetzte und durch die damenhafte Art, in der 
sie das tat, eine neue gesellschaftliche Moral schuf, 
— was hatten diese beiden Menschen in einer 
trotz äußerem Glanz kleinbürgerlichen Welt des 
Films zu suchen? 
Tetenborn, der gesellschaftlichen Verkehr 
pflegte wie andere einen Sport und mit Erklimmen 
jeder höheren Stufe die tiefere verächtlich abbrach, 
fühlte mit dem ihm eigenen Instinkt in diesen 
Dingen, daß sein Streben nach Zusammenschluß 
mit den gesellschaftlichen Spitzen im selben Augen- 
blick jeden Sinn verlor, in dem diese aufhörten, 
exklusiv zu sein. Dabei trug er dem Zug der Zeit, 
die ja auch ihn, den kleinen Handelsmann, hoch- 
gebracht hatte, weitgehend Rechnung. Er billigte, 
daß ein Poloteam von fünfzehn Ponys Tradition 
und Kinderstube ersetzte. Man hatte sich ja an 
so vieles gewöhnt. Die Zeit, da man im Cut und 
hohen Hut Vormittagsbesuche machte, war vor- 
über. Man schickte jetzt seinen Diener, schlimm- 
stenfalls seinen Chauffeur, mit den Karten. Leute 
ohne Diener und Chauffeur hatten überhaupt kein 
Recht, Karten zu schicken. Sie gehörten ohnedies 
nicht dazu. 
Aber gerade darin, daß diese Kleinbürger des 
Films die äußeren Merkmale gesellschaftlicher 
Kultur zu erfüllen vermochten, sah Tetenborn die 
Gefahr. Also unterließ er es, als Frau Adele ihn 
beauftragte, einen Filmfachmann zu besorgen, an 
die führenden Kreise heranzutreten. Er wandte 
‘76
	        
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