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Viertes Kapitel

Full text: Raffke & Cie / Landsberger, Artur (Public Domain)

Hand zu geben. Steine sollten sie klopfen, diese 
seelenlosen Hände!“ 
So sprach der Glattrasierte zu Günther — und 
er sprach die Wahrheit. 
Wenn aber Cäcilie während des Unterrichts 
hereinkam, um sich nach den Fortschritten ihres 
Lieblings zu erkundigen, dann warf er den Kopf 
zurück, daß die Künstlermähne in hellem Auf- 
ruhr in die Höhe fuhr, rieb die Fingerspitzen 
aneinander und rief: 
„Oh! eminent! eminent! Joseph Joachim re- 
divivus! Musikalisch bis in die Fingerspitzen!“ 
Er nahm ihm die Violine ab und reichte Cä= 
cilie Günthers Hand. — „Da! Fühlen Sie selbst!“ 
Cäcilie ließ Günthers Finger durch ihre Hand 
gleiten, schloß die Augen, zuckte leicht zusam- 
men und sagte: 
„Sie haben recht!“ 
Und Günther schwieg. Aus Furcht, die dop- 
pelte Zeit üben zu müssen. 
„Wann wird er so weit sein?“ fragte Cäcilie. 
„Sie meinen ?“ erwiderte der Maestro. 
„Nun, um öffentlich...“ 
„Oh! ich will Ehre mit ihm einlegen!“ unter- 
brach er sie. — „Alle Wunderkinder haben nach» 
her. enttäuscht, weil man sie zu früh heraus- 
brachte. Aber über ihn wach’ ich!“ und er legte 
gütig wie ein Vater die Hand auf Günther. 
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