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Dreiunddreißigstes Kapitel. Die einträchtige Familie

Full text: Millionäre / Landsberger, Artur (Public Domain)

handelt es sich nicht. Aber die Entdeckung von schauspiele⸗ 
rischen Talenten, die er aus der Verschwiegenheit ihrer 
Boudoirs mit der Elastizität eines Dreißigiährigen ans 
Rampenlicht hebt, ist seine Stärke. Sieh dir nur mal auf 
der Lustspielbühne Annie Sorée als Kameliendame an. 
Der frischen Orchideen wegen, die sie Vater zuliebe all⸗ 
abendlich trägt, heißt sie allgemein die Orchideendame“.“ 
„In die Zeitungen brauchte man das nun ja gerade 
nicht zu bringen,“ meinte Emilie. 
„Aber ich bitt dich,“ erwiderte Maud; „ich finde, die 
Notiz macht einen ausgezeichneten Eindruck! Ihr solltet 
jetzt überhaupt etwas für die geistige Belebung eurer 
Salons tun. Ich meine, ihr solltet euren Salons eine be⸗ 
stimmte geistige Note geben, durch die sie sich von den 
andern abheben.“ 
Emilie wies auf Walter: 
„Du meinst Professoren und Gelehrte heranziehen?“ 
„Aber nein, ich meine Tagesberühmtheiten wie Max 
Reinhardt, Jubiläumsdichter wie Gerhart Hauptmann und 
Ludwig Fulda, Wanderredner wie Boelsche, Nordpolfahrer 
wie Cook, kurz alle, von denen man gerade am lautesten 
spricht. — Solchen Leuten sollte man bei euch begegnen 
und zwar ständig. Das gibt euch eine bestimmte Note.“ 
„Und wo sind solche Leute zu haben?“ fragte Emilie. 
„Das wird Walter wissen,“ erwiderte Maud. „Ver⸗ 
mutlich leiht man sie sich bei ihren Verlegern aus.“ 
„Sie werden schwer zu haben und sehr teuer sein,“ 
sagte Emilie. 
„Das glaube ich auch,“ stimmte Leopold bei, „und 
außerdem zweifle ich, daß es sich rentiert.“ 
„Mir leuchtet durchaus ein, was Maud meint,“ sagte 
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