Path:
Einundzwanzigstes Kapitel. Wie Lessers ihren Sohn zu bekehren suchen

Full text: Millionäre / Landsberger, Artur (Public Domain)

„Das Doppelte!“ sagte Emilie. 
„Gewiß — nur, ich möchte nicht gern, daß die Prin— 
zessin mich für undankbar hält, wenn ich ohne Grund ...“ 
„Die Prinzessin kennt mich,“ unterbrach sie Emilie — 
„und weiß, mit wem sie's zu tun hat. Das Fest, das sie 
vorige Woche in Luzern arrangiert hat, hat mich sechzehn⸗ 
hundert Francs gekostet. Dafür werd' ich wohl die kleine 
Gefälligkeit von ihr verlangen können, daß sie mir ihre 
Kammerzofe abläßt.“ 
Frau Riedel fing jetzt laut an zu lachen, wofür Emilie 
gar keine Erklärung hatte. Und als Luise, der es auch schwer 
wurde, ernst zu bleiben, sich grade wieder so weit in der 
Gewalt hatte, um etwas zu erwidern, schob Emma, das 
Stubenmädchen, den Lyriker Ernst Eberhard Boas mit 
den kernigen Worten: „Rin, junger Mann!“ ziemlich un⸗ 
sanft durch die Tür. 
Der stand plötzlich — ohne recht zu wissen wieso — 
mitten im Zimmer — Luisen, der Zofe, Frau Riedel, der 
Manikure, und Emilien, der höchsten Instanz, die über seine 
Zukunft entschied, gegenüber. 
Emilie setzte sofort die Lorgnette auf Ernst Eberhard 
Boas an. Ohne aufzusehen spürte er deutlich, fast schmerz⸗ 
haft, die Stellen, in die ihre Blicke scharf wie Nadelstiche 
drangen. Dann setzte sie die Lorgnette ab, verzog verächt⸗ 
lich den Mund und sagte so breit, wie irgend möglich: 
„Genau so habe ich mir meinen Schwieger— 
sohn vorgestellt.“ 
Und Luise, die Zofe, und Frau Riedel, die Manikure, 
schaͤmten sich für Emilie. Sie wandten sich ab, denn Ernsi 
Eberhard Boas, an sich schon mehr Galizier als Held, bot 
1258
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.