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Zweiter Teil

Full text: Bankhaus Reichenbach / Landsberger, Artur (Public Domain)

meinem Manne dies Opfer braͤchte, wer sagt mir denn, 
das Heinz Reichenbach darauf einginge?« 
»Du schaͤtzt dich aber tief ein.« 
»Je hoͤher er mich schaͤtzt, um so bestimmter wird er es 
ablehnen, etwas Derartiges aus Gefaͤlligkeit zu tun.« 
»Du wirst ihm doch nicht den Grund nennen!« rief Tante 
Amalie entsetzt. 
»Ich muß ihm doch irgend etwas sagen,« erwiderte Frau 
Hedda. 
»Nicht ein Wort mehr, als daß du dich fuͤr chinesisches 
Porzellan interessierst. Fuͤr eine Frau, die aussieht wie du, 
genuͤgt das vollkommen. — Alles andere uͤberlaß ihm.« 
Und als Frau Hedda noch weiterhin Bedenken aͤußerte, 
sagte sie: 
»Wie du dich in der kurzen Zeit deiner Ehe gewandelt 
hast! — Aus der feschen Baroneß Nedlitz — ist eine rich⸗ 
tige kleine Buͤrgersfrau geworden. Daß du je so ver⸗ 
spießern wuͤrdest, haͤtte ich nicht fuͤr moͤglich gehalten.« 
Frau Hedda widersprach. 
»Ich bin dieselbe geblieben. Und wenn es darauf an⸗ 
kommt, Mut zu zeigen oder meinen Willen durchzu⸗ 
setzen, so gibt es fuͤr mich auch heute noch nichts, wo⸗ 
vor ich zuruͤckschrecke.« 
»Nun also!« 
»Aber aus der Liebe einen Zweck zu machen ...« 
»Liebe! Zweck! was sind das fuͤr Worte? — Du beluͤgst 
dich ja selbst.« 
»Wie kannst du das sagen?« 
»Hast du diesen graͤßlichen Morener etwa aus Liebe ge— 
heiratet ?« 
»Ich habe ihn, als er mich bat, seine Frau zu werden, 
uͤber meine Gefuͤhle nicht im unklaren gelassen.« 
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