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Erster Teil

Full text: Bankhaus Reichenbach / Landsberger, Artur (Public Domain)

den sind und nie damit gerechnet haben, je Geld ver⸗ 
dienen zu muͤssen — wo sollen wir denn die Tuͤchtigkeit 
hernehmen ?« 
»Fuͤr eine Frau wie Sie mag es nicht zutreffen. Da ent⸗ 
scheidet das Schicksal — von dem wohl auch fuͤr uns mehr 
abhaͤngt als von unserer Tuͤchtigkeit.« 
»Ich verlasse mich lieber auf meinen Verstand.« 
»Wir streiten uns um Begriffe — aber Sie haben schon 
recht: Menschen wie wir zwei moͤgen in allen neben⸗ 
saͤchlichen Dingen des Lebens noch so verschieden urteilen 
und handeln — in allen Wesentlichen stimmen wir doch 
uͤberein.« 
»Was nennen Sie das Wesentliche?« 
»Die großen Momente im Leben — in denen die wahre 
Natur in uns so unvermittelt hervorbricht, daß wir die 
Außerlichkeiten des Lebens voͤllig vergessen.« 
»Wenn ich das große Los gewaͤnne oder der Maharadscha 
von Johore um meine Hand anhielte — das waͤren fuͤr 
mich die großen Momente.« 
»Bei denen Sie innerlich unbeteiligt blieben. — Nein! 
von innen muß es geschehen — nicht von außen —, daß 
Ihnen ploͤtzlich die Erleuchtung kommt: alle bisherigen 
Vorstellungen von Welt und Menschen waren falsch — 
daß Sie mit einem Schlage ein anderer Mensch wer⸗ 
den. « 
»Einen solchen Moment wird es fuͤr mich nie geben.« 
»Das bestimmen nicht Sie!« 
»Sie sind ein Phantast! — Mit diesen Ideen werden Sie 
es nie zu etwas bringen.« 
»Fuͤr jeden Menschen kommt einmal dieser Augenblick. 
Wissen Sie, was ich mir wuͤnsche — ich moͤchte dabei 
sein duͤrfen, wenn Sie diese Stunde erleben.« 
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