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Dritter Teil

Full text: Bankhaus Reichenbach / Landsberger, Artur (Public Domain)

»Lesen Sie. Ich erhielt ihn unmittelbar bevor Sie kamen.« 
Hanni entfaltete den Brief und las: 
»Liebe Hedda, so guͤnstig die Nachrichten uͤber das 
Befinden deines Mannes aus Schoͤnegg lauten, — wir 
koͤnnen seine Genesung nicht abwarten, da die Ereig⸗ 
nisse sich hier auf das Außerste zugespitzt haben. Ich 
habe infolgedessen alles zu unserer Reise vorbereitet, 
die im Interesse Heinz Reichenbachs deutlich den Cha⸗ 
rakter einer Flucht haben muß. Mein Freund Dr. H., 
der Besitzer der Flug-Union A. G. stellt mir ein Flug⸗ 
zeug zur Verfuͤgung. Er sieht darin kein Entgegenkom⸗ 
men, sondern hofft im Gegenteil auf eine große Pro⸗ 
paganda fuͤr den Fall, daß der Flug gelingt. Du weißt, 
ich bin ein erprobter Flieger, du kannst dich also getrost 
meiner Steuerung anvertrauen. Im uͤbrigen: selbst 
wenn uns etwas zustoͤßt — und das kann nur der Tod 
sein — wuͤrde es im Vergleich zu dem Leben, das uns 
hier erwartet, eine Erloͤsung sein. Aber wir wollen den 
Kopf nicht haͤngen lassen und damit rechnen, daß alles 
so gluͤckt, wie wir es uns wuͤnschen. Unsere Fahrt wird 
als Flucht — und daher von denen, die mit Recht und 
Eifer Heinz Reichenbachs Rehabilitation betreiben, als 
Gestaͤndnis betrachtetund verwertet werden. Das Land, 
in dem wir versuchen werden, ein neues Leben 
zu beginnen, liefert wegen dieses Deliktes nicht aus. 
Das Bewußtsein, auf diese Weise einem zweifellos Un⸗ 
schuldigen und wertvollen Menschen zu helfen, wird mir 
die Last, als Verbrecher zu gelten, ertraͤglich machen. 
Leicht wird das Leben nicht sein, das uns erwartet, 
denn es gelang mir nicht, wie ich hoffte und dir wohl 
auch andeutete, die Mittel aufzubringen, die uns fuͤr die 
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