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Dritter Teil

Full text: Bankhaus Reichenbach / Landsberger, Artur (Public Domain)

des Landgerichts 1 zu einem Jahr Zuchthaus und drei 
Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Wir, die wir Herrn 
Reichenbach seit seiner fruͤhesten Jugend als einen der zu⸗ 
verlaͤssigsten und ehrenhaftesten Maͤnner kennen, wollen 
und koͤnnen an seine Schuld nicht glauben, nehmen viel⸗ 
mehr an, daß er das Opfer einer Reihe ungluͤcklicher, ihn 
scheinbar belastender Zufaͤlle geworden ist. Die Reinheit 
des Namens Reichenbach, uͤber hundertfuͤnfzig Jahre lang 
der Stolz unseres Hauses, steht uns hoͤher als der wirt⸗ 
schaftliche Vorteil. Wir setzen daher fuͤr die Nennung des 
Taͤters, gleichviel, ob sie die Wiederbeschaffung der gestoh⸗ 
lenen Devisen zur Folge hat oder nicht, eine Belohnung 
von hunderttausend Mark aus. Es genuͤgt die Nennung 
des Taͤters, sofern diese mit untruͤglichen Beweisen von 
dessen Schuld belegt wird. Auch wird auf Wunsch die Ge⸗ 
heimhaltung des Angebers zugesichert. 
Gebruͤder Reichenbach & Co. 
Gleich nach Erscheinen dieses Aufrufs fuhr in Schloß 
Reichenbach ein Auto vor, aus dem hastig ein junges Maͤd⸗ 
den sprang. Es war niemand anders als Hanni Reichen⸗ 
ach. 
Frau Hedda hatte Tag und Nacht daruͤber nachgedacht, 
wie man dem ungluͤcklichen Reichenbach helfen koͤnne. Sie 
sagte sich immer wieder, daß es nur eine Moͤglichkeit gab 
— Karl Moreners Gestaͤndnis. Aber irgendeine Hem⸗ 
mung empfand sie bei dem Gedanken. 
Nicht aus Furcht, kompromittiert zu werden, wenn man 
forschte, zu welchem Zweck Karl die Summe benoͤtigt 
atte. Sie war in eine Situation geraten, in der jeder 
Schritt, sie zu entwirren, ein Vabanquespiel war. Eine 
Fortdauer dieser Spannung aber ertrugen ihre Ner⸗ 
ig 82. R. 
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