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Zweiter Teil

Full text: Bankhaus Reichenbach / Landsberger, Artur (Public Domain)

geschaͤftlicher Natur mit Karl Morener und Direktor Ur⸗ 
bach. Beide vermieden verabredungsgemaͤß uͤber persoͤn⸗ 
liche Dinge mit ihm zu sprechen, weil sie das Gefuͤhl hat⸗ 
ten, daß jeder Ausdruck der Teilnahme und jeder Ver—⸗ 
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wirkte. Reichenbach fuͤhlte das und war ihnen dankbar. 
Direktor Urbach sagte beim Abschiednehmen nur: 
»Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß kein Mensch, der 
Sie kennt, an Ihre Schuld glaubt. Wir werden alles 
tun, um den Fall zu klaͤren.« 
Reichenbach dankte durch einen Haͤndedruck. — Waͤhrend 
sich Direktor Urbach mit einer nebensaͤchlichen Frage an 
den Waͤchter wandte, druͤckte Karl heimlich Reichenbach 
etwas in die Hand und sagte: 
»Von Frau Hedda.« 
Dann nahmen sie Abschied und gingen. Als Heinz Rei⸗ 
chenbach allein war, sah er sich an, was Karl Morener 
ihm gegeben hatte. Es war ein Briefumschlag, in dem 
ein kleines Flaͤschchen und ein Zettel mit folgenden Zeilen 
lag, die von Heddas Hand herruͤhrten: 
»Falls ich Ihnen gleichguͤltig bin, so befreien Sie 
sich durch den Inhalt dieses Flaͤschchens aus Ihrer 
trostlosen Lage. Andernfalls harren Sie aus, bis ich 
Sie rehabilitiert habe.« 
Heinz Reichenbach fuͤhlte in diesem Augenblick, daß er 
nicht allein war. Sehnsuͤchtig hatte er sich fuͤr den Fall 
seiner Verurteilung so ein Flaͤschchen Morphium ge⸗ 
wuͤnscht — und im stillen gehofft, daß Frau Hedda Mit⸗ 
tel und Wege finden wuͤrde, um ihn auf diese Weise 
erloͤsen. — Nun war sein Wunsch erfuͤllt. Aber in einer 
Form, die jeden Gedanken, sich durch freiwilligen Tod der 
Qual und Schande zu entziehen, ausschloß. 
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