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Dritter Teil

Full text: Bankhaus Reichenbach / Landsberger, Artur (Public Domain)

22. 
Reichenbach hatte sich nicht verteidigt, sondern darauf 
beschraͤnkt, nachzuweisen, daß die Angeklagten den Ein⸗ 
bruch in die Bank unmoͤglich begangen haben konnten. 
Er hatte sich damit in Widerspruch mit seinem Vertei⸗ 
diger gesetzt, waͤhrend der Staatsanwalt erwidert hatte: 
»Der Angeklagte spielt den armen Kranken. Indem er 
die Leute, die zugeben, ihm sein Auto, seine Brieftasche 
und Perle gestohlen zu haben, leidenschaftlich in Schutz 
nimmt, marschiert er mit der ihm eigenen Gerissenheit auf 
—X 51. « 
Da sein Verteidiger Miene machte, diese Anregung auf⸗ 
zunehmen, erklaͤrte Reichenbach, daß er auf weitere Fra⸗ 
gen nicht mehr antworten werde, da er lieber unschuldig 
ein paar Monate im Gefaͤngnis, als gesund im Irren— 
haus sitzen wolle. Das hatte zur Folge, daß dem Staats⸗ 
anwalt tatsaͤchlich Bedenken uͤber den Geisteszustand des 
Angeklagten kamen, so daß er den Antrag stellte, die Ver⸗ 
handlung zwecks Untersuchung des Angeklagten zu ver⸗ 
tagen. Reichenbach widersprach leidenschaftlich, obgleich 
sein Anwalt ihm zufluͤsterte: 
»Une grande chance!« 
Nur der Umstand, daß Reichenbach seit einem Jahrzehnt 
mit einem der bekanntesten Nervenaͤrzte befreundet war, 
bewahrte ihn davor, daß er in die Gefangenenabteilung 
der Charité uͤberfuͤhrt wurde. Denn der Psychiater er⸗ 
llaͤrte, daß Reichenbach vollkommen gesund und seiner 
Ansicht nach — unschuldig sei. Das trug ihm, da es uͤber 
die Grenzen des Gutachtens hinausging, eine Ruͤge ein, 
der eine Ordnungsstrafe folgte, als er auf den Vorwurf 
des Vorsitzenden: 
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