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Dritter Teil

Full text: Bankhaus Reichenbach / Landsberger, Artur (Public Domain)

Verteidiger und Publikum erhoben sich. Waͤhrend der 
Staatsanwalt, der rechts vom Richtertisch saß, mit dem 
Vorsitzenden ein paar unverstaͤndliche Worte wechselte, 
sagte die Dame zu ihrer Freundin: 
»Warum hast du ihm denn meine Adresse genannt stat! 
deiner?« 
»Ich bin eben selbstlos.« 
Der Vorsitzende schlug, ohne einen Blick in den Saal zu 
werfen, die Akten auf, laͤutete und eroͤffnete die Sitzung 
Der Eroͤffnungsbeschluß wurde verlesen. Die Zeugen auf—⸗ 
gerufen. 
Die Sensation bereitete sich vor. Denn es erschien als 
erster Zeuge: Heinz Reichenbach. 
Die Glaͤser der Damen wurden auf ihn angesetzt. 
»Ich verbitte mir!« rief der Vorsitzende. Im selben Augen⸗ 
blick war kein Glas mehr zu sehen. »Was ist das fuͤr eine 
Unmanier! Sie befinden sich hier nicht im Theater. 
Schlimm genug, daß man Damen das erst sagen muß!« 
Den Herren, die in Begleitung der Damen waren, zuckte 
es in den Fingerspitzen. Sie hatten das Gefuͤhl, als muͤß⸗ 
ten sie ihre Damen verteidigen, als duͤrften sie sich diesen 
Affront von dem Mann im Talar da oben nicht gefallen 
lassen. Aber sie entsannen sich, des oͤfteren in den Zeitun⸗ 
gen gelesen zu haben, daß der Saal wegen Ungebuͤhr des 
Publikums geleert wurde. Und sie kannten ihre Damen 
gut genug, um zu wissen, daß sie sich lieber beleidigen, als 
um eine Sensation bringen ließen. Also schwiegen sie. 
Außer Reichenbach waren als Zeugen nur noch der Arzt, 
der Wirt, ein Chauffeur, der Diener Reichenbachs und 
ein paar Verbrecher und Dirnen geladen. Die Zeugen 
mußten nach erfolgtem Aufruf den Saal wieder verlas⸗ 
sen. 
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